Gesamtverband Steinkohle

Kongress Zukunft der Kohle: Die weltweiten und europäischen Perspektiven

Forum für Zukunfts- energien

Karl Starzacher, Vorsitzender des Vorstandes der RAG Aktiengesellschaft und Vorsitzender des Vorstandes des Gesamtverbandes des deutschen Steinkohlenbergbaus

Zweiter Kongress: Zukunft der Kohle - Perspektiven moderner Energietechnologien am 1. Juli 2002 in Berlin

Sehr geehrter Herr Minister Schwanhold,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
1. Einleitung
ich freue mich sehr, dass ich heute die Gelegenheit habe, am 2. Kongress „Zukunft der Kohle“ teilzunehmen. Wie schon im vergangen Jahr bietet auch dieser zweite Kongress die Gelegenheit, einen Zwischenbericht über den Stand und die Entwicklungsperspektiven moderner Kohletechnologien zu geben.

Meine Damen und Herren,
Die Sicherung der Weltenergieversorgung zählt zu den wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen unserer Zeit. Es geht darum, die Deckung des weltweit steigenden Energiebedarfs mit den wachsenden Anforderungen des globalen Umwelt- und Klimaschutzes in Einklang zu bringen.

In den vergangenen Jahren konzentrierte sich die energiepolitische Diskussion häufig allein auf ökologische Fragestellungen. Die Risiken der Vernachlässigung der anderen energiepolitischen Ziele – Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit - hat der Energiebericht des Bundeswirtschaftsministers deutlich gemacht.

Globalisierte und liberalisierte Märkte garantieren nicht von vornherein die Verwirklichung der definierten energiepolitischen Ziele. Für das Erreichen bestimmter Ziele bedarf es deshalb der politischen Flankierung.

Im Hinblick auf die Versorgungssicherheit zielen energiepolitische Strategien in vielen Ländern, z.B. in den USA, aber auch Europa, wieder verstärkt auf die Nutzung heimischer Energien. In Deutschland wie in Europa ist dies neben den Erneuerbaren Energien vor allem die Kohle als größte heimische Energiereserve.

2. Kohle: weltweit unverzichtbar

Meine Damen und Herren,
der Weltenergiebedarf wächst. Bis 2020 rechnet das US-Department of Energie (DOE) in seinem neuesten „Energy Outlook“ mit einem Anstieg der weltweiten Energienachfrage um fast 60 % auf rd.22 Mrd. t SKE.

Ursächlich dafür ist - trotz einer leichten Abschwächung in jüngerer Zeit - das anhaltende Wachstum der Weltbevölkerung, insbesondere in den Schwellen- und Entwicklungsländern, die zudem auch aufgrund des wirtschaftlichen Aufholprozesses einen erheblichen Nachholbedarf in ihrer Energieversorgung haben.

Um die Weltenergieversorgung zu sichern, müssen alle Energieträger ihren Beitrag leisten. Erneuerbare Energien werden - mit politischer Unterstützung und der ihnen gewährten erheblichen finanziellen Förderung - künftig ihren Anteil ausweiten. Die Kernenergie stößt in vielen Ländern auf politische Vorbehalte. Die klassischen Energieträger Erdöl, Erdgas und Kohle müssen deshalb auch künftig die Hauptlast der Energieversorgung tragen. Auf diese Energien entfallen im Jahr 2020 fast 90 % der Welt-Energieversorgung.

Der Kohleverbrauch wird nach der jüngsten Prognose des US-Department of Energy weltweit in den nächsten 20 Jahren um etwa 1,3 Mrd. t SKE - das sind mehr als 40 % des heutigen Kohleverbrauchs - auf dann etwa 4,4 Mrd. t SKE zunehmen. Der Kohleanteil an der Energieversorgung wird im Jahr 2020 mit einem Fünftel etwa gleich hoch sein wie heute.

Die weltweite Dynamik der Kohlenachfrage wird getragen von der zunehmenden Kohleverstromung, auf die sich der Kohleverbrauch immer stärker konzentriert. Im Jahr 2020 werden mehr als vier Fünftel des Kohleverbrauchs der westlichen Industrieländer auf diesen Sektor entfallen. Ein weiterer Schwerli der Kohlenutzung wird aber auch künftig die Eisen- und Stahlproduktion bleiben. Hier ist die Kohle Energieträger und Rohstoff zugleich. Aufgrund der strukturellen und technologischen Veränderungen wird die Bedeutung der Kohle in diesem Sektor aber eher weiter zurück-gehen.

Bei einem weltweiten Zuwachs der Stromerzeugung um 85 % bleibt Kohle in den nächsten Jahren mit gleichbleibend 38 % die Nr. 1 in der Stromerzeugung. Sie wird vor allem in Ländern genutzt, die über eigene Ressourcen verfügen. Speziell in den Entwicklungsländern – vor allem China und Indien – ist mit einer Verdreifachung der Kohleverstromung bis zum Jahr 2020 zu rechnen. Für diese Länder ist Kohlestrom die Basisenergie für ihre wirtschaftliche Entwicklung und eine Verbesserung der Lebensverhältnisse.

Aber auch in den Industrieländern ist Strom nach wie vor die „Modernisierungsenergie“ schlechthin. Technischer Fortschritt und Umweltschutz sind in vielen Bereichen unseres täglichen Lebens und der Wirtschaft mit einem zunehmenden Stromverbrauch verbunden, z.B. auch bei den Rauchgasreinigungs- und Entstickungsanlagen in Kraft-werken.

Meine Damen und Herren,
die energiewirtschaftlichen Grunddaten zeigen für die Kohle günstige Perspektiven auf. Für die verstärkte Nutzung der Kohle sprechen vor allem ihre reichlichen Vorräte, die zudem regional relativ ausge-wogen verteilt sind, sowie ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Kohle ist - im Gegensatz zu Öl- und Gas - weltweit reichlich vorhanden. Gemessen an der gegenwärtigen Jahresförde-rung reichen die Reserven noch über 200 Jahre, sie können somit auch einen wachsenden Bedarf decken.

Und die Kohlenvorräte sind weniger in politisch und sozial eher problematischen Weltregionen gelegen wie die Öl- und die Gas-vor-räte. So verfügen z.B. die Industrieländer (OECD) über45 % der Kohlevorkommen, aber nur über 8 % der Ölvorräte und knapp 10 % der Gasvorräte.

Die Globalisierung der Märkte und wachsender Wettbewerbsdruck haben große integrierte Bergbau- und Handelsunternehmen entstehen lassen.

Der RAG-Konzern hat sich, gestützt auf seine Kompetenz rund um den Steinkohlenbergbau, frühzeitig auf die Entwicklungen des Weltkohlenmarktes eingerichtet. Unser Teilkonzern RAG Coal International ist heute mit eigener Kohlenförderung in den USA, in Australien und Venezuela, mit einer leistungsfähigen Handelsorganisation und mit eigener Bergbau-Technik gut gerüstet, sich in diesem dynamischen Wachstumsmarkt zu behaupten.

RAG Coal International ist seit ihrer Gründung im Jahr 1999 zu einem der führenden globalen Kohleunternehmen aufgestiegen. Mit einer Förderung von 67,7 Mio t Steinkohle im Ausland, einer Handelsmenge von 22,5 Mio t und dem Verkauf der heimischen Kohle auf dem deutschen Markt wurden im vergangenen Jahr fast 120 Mio t Kohle umgesetzt.

Abgerundet wird das Leistungsspektrum von RAG Coal International für den internationalen Kohlemarkt durch modere Bergbautechnik der DBT GmbH. Das Beispiel DBT, die heute rd. 60 % ihres Umsatzes im Ausland erzielt, zeigt, dass die unter schwierigen Bedingungen in Deutschland gewonnene technologische Kompetenz weltweit gefragt ist und sich in einem intensiven Wettbewerb durchsetzen kann. Mit der Integration des amerikanischen Bergbauzulieferers Long-Airdox im vergangenen Jahr konnte DBT ihre Wettbewerbsposition vor allem auf dem US-Markt weiter verbessern.

2. Kohle: Sichere Energie für Europa
Meine Damen und Herren,
die internationalen Märkte spielen bei der Deckung des Energie-bedarfs in Europa wie in Deutschland eine zunehmende Rolle.

Die Europäische Union – mit knapp 2 Mrd. t SKE nach den USA der zweitgrößte Energiemarkt der Welt – ist bereits jetzt der größte Nettoimporteur von Erdöl, Erdgas und Kohle. Über 50 % des europäischen Energieverbrauchs müssen eingeführt werden. Während z.B. Großbritannien Nettoexporteur von Energie ist, müssen wir in Deutschland heute schon etwa 60 % unseres Energiebedarfs im Ausland decken, in Frankreich sind es - trotz des hohen Kernenergieanteils - immerhin auch 55 %.

Auch in der EU wächst der Energiebedarf weiter – bis 2020 um rd. 20 %, der Strombedarf sogar um rd. 40 %.

Zugleich ist die Energieerzeugung aus eigenen Quellen rückläufig. Die Europäische Kommission spricht in einer neuen Broschüre mit dem Titel „Unsere Abhängigkeit in den Griff bekommen“ davon, dass die heimischen Energieressourcen in absehbarer Zeit zur Neige gehen. Die Öl- und Gasreserven - einschließlich der großen Vorkommen in Norwegen - würden, so die Kommission, nur noch für einen Zeitraum von 25 Jahren reichen.

Die EU-Kommission erwartet in den nächsten beiden Jahrzehnten für die Europäische Union einen dramatischen Anstieg der Importabhängigkeit, beim Erdgas von 45 % auf bis zu 70 % und beim Erdöl von 70 % auf bis zu 90 %. Energiesparen und erneuerbare Energien werden den Anstieg der Importabhängigkeit der EU-Energieversorgung nicht aufhalten können. Auch die Erweiterung der EU bringt hier, so die Kommission, keine Abhilfe. Denn die neuen EU-Mitgliedstaaten erwarten selbst ein kräftiges Wirtschaftswachstum, das mit einer Steigerung ihres Energieverbrauchs verbunden ist.

Anders als bei Öl- und Gas verfügt die EU mit der heimischen Kohle aber über eine eigene langfristige Versorgungsoption. Steinkohle (24,8 Mrd. t SKE) und Braunkohle (14,4 Mrd. t SKE) machen zusammen fast 90 % der fossilen Energievorräte der heutigen Gemeinschaft aus. Mit der Osterweiterung stoßen weitere wichtige Kohleländer, insbesondere Polen und Tschechien, hinzu.

Dennoch haben sich auch bei der Steinkohle die Relationen zwischen heimischer Förderung und Einfuhren deutlich verschoben. Während bis in die 80iger Jahre der Steinkohlenbedarf der Gemeinschaft noch überwiegend aus eigener Förderung gedeckt wurde, überwiegen inzwischen die Importe. Heute wird der Steinkohlenverbrauch der Gemeinschaft nur noch zu knapp einem Drittel durch die Förderung in den vier Mitgliedstaaten Spanien, Frankreich, Großbritannien und Deutschland gedeckt.

Vor diesem Hintergrund konstatiert die EU-Kommission einen immer stärkeren Druck, die Energieversorgung der Zukunft auf eine solide Grundlage zu stellen. Und sie fragt in diesem Zusammenhang auch – wie ich meine zurecht - „warum nicht europäische Kohle“?

Der EU-Ministerrat hat am 7. Juni 2002 mit seiner politischen Verständigung auf eine neue Beihilfeverordnung eine entscheidende Weichenstellung für die langfristige Zukunft des Steinkohlenbergbaus in Europa getroffen. Auf Basis dieser neuen Beihilfeverordnung ist eine energiepolitisch begründete Steinkohleproduktion in Europa auch langfristig möglich.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um an alle, die an diesem Erfolg mitgewirkt haben den Dank der RAG, ihrer Mitarbeiter und deren Familien auszusprechen. Mein ganz persönlicher Dank gilt Herrn Bundeskanzler Schröder, Herrn Bundeswirtschaftsminister Müller sowie Herrn Ministerpräsident Clement, die mit großer Beharrlichkeit und Überzeugungskraft in Brüssel für die deutsche Steinkohle eingetreten sind.

Hauptziel der neuen Regelung ist die Bewältigung der mit der weiteren Umstrukturierung des europäischen Steinkohlenbergbaus verbundenen sozialen und regionalen Probleme.

Die neue Beihilfeverordnung erkennt aber auch das Ziel der Versorgungssicherheit ausdrücklich an und schafft die Grundlage dafür, aus Vorsorgegründen den Zugang zu den heimischen Steinkohlenlagerstätten durch eine Mindestförderung zu bewahren. Der Erhalt des technischen Know-how und der Kompetenzen garantiert dabei - so die Kommission - auch eine „größere Autonomie Europas“.

Mit der neuen Beihilfeverordnung ist der von der Bundesregierung und der Landesregierung NRW angestrebte nationale Energiesockel noch nicht erreicht worden. Der Weg dazu ist aber nicht verbaut.

Aus Sicht der deutschen Steinkohle wird mit dem neuen europäischen Beihilferahmen zunächst einmal der nationale Kohlekompromiss von 1997 bis 2005 EU-rechtlich abgesichert.

Zugleich sind damit die gemeinschaftsrechtlichen Vorgaben für die in 2003 vorgesehene Entscheidung über die nationale Anschlussfinanzierung der Steinkohlehilfen ab 2006, auch über 2010 hinaus, festgelegt. Forderungen nach einem Auslaufbergbau sind damit jedenfalls zurückgewiesen.

Die neue Beihilfenregelung ist auch ein wichtiger Bezugsrahmen für die Beitrittsländer, deren (Stein-) Kohlenbergbau sich seit Jahren in einem tiefgreifenden Umstrukturierungsprozess befindet. Allein Polen fördert derzeit (2000) mit 83 Mio t SKE alleine mehr Steinkohle als die vier Förderländer der EU zusammen.

Mit den Beitrittsländern wird die Kohle in der Energieversorgung der Gemeinschaft an Bedeutung gewinnen. So spielt z.B. in Polen und Tschechien die Stein- und Braunkohle in der Stromerzeugung mit einem Anteil von rd. 90 bzw. 75 % die dominierende Rolle. In Deutschland basieren etwa 50 % der Stromerzeugung auf Kohle (Stein- und Braunkohle jeweils etwa 25 %).

3. Kohle: Saubere Energie für die Zukunft
Meine Damen und Herren,
die künftige Bedeutung der Kohle - vor allem in ihrem größten Einsatzbereich, der Stromerzeugung - hängt maßgeblich davon ab, ob es gelingt, mit „sauberen“ Kohletechnologien den veränderten Umwelt- und Klimaanforderungen Rechnung zu tragen.

Die STEAG AG hat vor wenigen Tagen die gemeinsam mit der Betriebsführungs- und Engineering Gesellschaft STEAG Encotec erstellte Studie „Energien für das neue Jahrtausend“ veröffentlicht. Die Untersuchung, die heute hier ausliegt und auf die Herr Dr. Scholtholt in seinem Vortrag näher eingehen wird, befasst sich ausführlich mit den Vor- und Nachteilen der unterschiedlichen Verfahren der Stromerzeugung und ihrer Realisierungs-chancen.

Die Botschaft der Studie ist eindeutig:
Die Stromerzeugung aus Kohle hat einen hohen technischen und wirtschaftlichen Stand erreicht und leistet einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Umweltqualität.

So konnten in Deutschland die Emissionen konventioneller Kohlekraftwerke praktisch vollständig beseitigt werden: in den alten Bundesländern seit Anfang der 80iger Jahre bei Schwefel um 93 %, bei Stickoxid um 82 % und bei Staub um 92 %. Mit der Modernisierung des Kraftwerksparks in den neuen Bundesländern wurde dort seit den 90iger Jahren ein ähnlicher Erfolg erzielt.

Die bestehenden Techniken werden ständig verbessert und die Entwicklung neuer Verfahren zur emissionsarmen Verstromung von Kohle ist in vollem Gange. Das damit verbundene umwelt- und klimapolitische Potential ist aber weltweit bislang praktisch noch weitgehend ungenutzt.

Das verdeutlichen folgende Zahlen:

Weltweit wird bei der Stromerzeugung aus Kohle eine Kraftwerkstechnik mit einem durchschnittlichen Wirkungsgrad von etwa 30 % eingesetzt, in Deutschland sind es etwa 40 %, in den USA, dem größten Kohleverstromer der Welt, sind es nur 35 %. In Deutschland müssen damit für die Erzeugung einer Kilowattstunde etwa 300 g SKE Kohle eingesetzt werde, im Weltdurchschnitt sind es dagegen rund 410 g SKE, d.h. rund ein Drittel mehr.

Nach dem derzeitigen Stand der Technik können Steinkohlenkraftwerke mit einem Wirkungsgrad von 45 - 47 % gebaut werden. In der Perspektive sind mit dem Einsatz neuer Werkstoffe oder in KohlekombiKraftwerken - z.B. mit integrierter Kohlevergasung oder mit Druckkohlenstaubfeuerung - Wirkungsgrade von 55 % und mehr erzielbar.

Würde der heutige Stand der Technik mit einem Wirkungsgrad von 45 % weltweit angewandt, könnten mit etwa 1,8 Mrd. t CO2 rund ein Drittel der weltweiten CO2-Emissionen aus Kohlekraftwerken vermieden werden. Das weltweite CO2-Einsparpotential durch moderne Kohletechnologien entspricht damit mehr als dem Doppelten der CO2-Minderungsverpflichtung aller Industriestaaten nach dem Kyoto-Protokoll bis zum Jahr 2012.

Die auch mit der Unterstützung des RAG Konzerns in der Entwicklung befindlichen Verfahren der emissionsarmen bzw. emissionsfreien Verstromung von Kohle könnten auf mittlere Sicht neue Perspektiven für die Klimavorsorge mit der Kohle eröffnen.

Bei globaler Betrachtung, meine Damen und Herren, erscheint es mir deshalb besonders wichtig, das große Gefälle in Anwendung bzw. Nichtanwendung bereits heute ausgereifter Kraftwerkstechnologien zu überwinden. Technologieoffensive und Technologietransfer sind die Schlüsselfaktoren, um den sich weiter verschärfenden Umweltanforderungen zur Reduzierung der CO2 -Emissionen zu begegnen.

Ich bin mir im klaren, dass wir - vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern - die technischen Möglichkeiten nicht immer voll ausreizen können. Hier sind neben der Umwelteffizienz auch andere Kriterien wie ein störungsfreier Betrieb sowie wirtschaftliche Aspekte zu beachten.

Aber meine Damen und Herren, es lohnt sich - für die Umwelt und auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland - jetzt zu handeln, um in einem ersten Schritt zumindest die heute bei uns vorhandene Technik auch für Länder mit vergleichsweise niedrigen Effizienzstandards verfügbar zu machen. Die IPP-Projekte der STEAG AG, z.B. in Termopaipa in Kolumbien und in Iskenderun an der türkischen Mittelmeerküste, sind dafür gute Beispiele.

Und, meine Damen und Herren, der künftige Bedarf an moderner, umweltverträglicher und wettbewerbsfähiger Kohlen-verstromungs-technik ist gewaltig, insbesondere in Nordamerika und in Asien, aber auch in den heute noch durch Überkapazitäten gekennzeichneten Strommärkten Europas und Deutschlands.

In Deutschland werden derzeit Kraftwerke mit einer Kapazität von rund 120 000 MW betrieben, davon sind etwa 70 % konventionelle Wärmekraftwerke auf Basis von Kohle (44 % der Gesamtleistung) sowie Öl und Gas (zusammen 24 % der Gesamtleistung). Rund ein Fünftel der Kapazitäten (20 %) entfällt auf die Kernenergie.

Nach dem Jahr 2010 stehen größere Teile dieses Kraftwerksparks zur Erneuerung an:

Der Ausstieg aus der Kernenergie ist politisch beschlossen. Ein Ersatz dieser Grundlastenergie durch den Ausbau regenerativer Energien kommt kaum in Betracht. Ein großer Teil der auslaufenden Kernenergie wird daher durch konventionelle Wärmekraftwerke ersetzt werden müssen.

Von den konventionellen Wärmekraftwerken sind am Ende dieses Jahrzehnts Kraftwerke mit einer Leistung von etwa 10.000 MW älter als 30 Jahre. Die Steinkohlenkraftwerk haben sogar einen noch etwas ungünstigeren Altersschnitt.

Unter Berücksichtigung eines - moderaten - Strombedarfsanstiegs lässt sich hieraus für die Zeit ab 2010 ein Bedarf an neu zu errichtender Kraftwerksleistung in Deutschland von etwa 40.000 MW ableiten.

Vor diesem Hintergrund begrüße ich die von der nordrhein-westfälischen Landesregierung in diesem Frühjahr angestoßene Initiative zur Errichtung eines modernen Steinkohlen-Referenzkraftwerks auf der Basis von Clean Coal-Technologien. Wir werden heute von Herrn Ministerpräsiden Clement und Herrn Minister Schwanhold sicher hierzu näheres erfahren.

Mit einem solchen Referenzkraftwerk erhalten wir quasi eine „doppelte Dividende“:

Wir zeigen damit, dass Kohle, hierzulande gefördert, umwelt- und klimaverträglich genutzt werden kann. Damit leisten wir auch einen Beitrag, um die Diskussion um die Steinkohle in Deutschland zu entemotionalisieren. Das ist meines Erachtens auch mit Blick auf andere Debatten um die Zukunft der Kohle etwa in Teilen der EU-Kommission erforderlich. Kohleverbrauch ist eine Realität in der Energieversorgung, der man sich positiv stellen muss. Emotionen gegen die Kohle helfen da nicht weiter.

Unser weltweit führendes Know how über moderne, umweltfreundliche Steinkohlekraftwerke wird im eigenen Land erhalten und zugleich der erste Schritt für die anstehende Erneuerung des Kraftwerksparkes in Deutschland getan. Ein Referenzkraftwerk ist ein wichtiges Verkaufsargument für „Clean-Coal-Technologies“ made in Germany auf dem wachsenden Weltmarkt für moderne Verstromungstechniken.

Meine Damen und Herren,
die nordrhein-westfälische Landesregierung setzt mit ihrer Initiative also ein wichtiges Signal für Clean-Coal-Technologien und die auf diesem Gebiet tätigen Technologieunternehmen. Dies kann aber nur ein erster - notwendiger - Schritt sein, um einen technischen und ingenieurmäßigen Fadenriss zu verhindern

Für eine Modernisierungs- und Exportoffensive im Kraftwerksbereich brauchen wir darüber hinaus dringend konsistente Rahmenbeding-ungen. Schwerlie eines solchen Programms sollten aus meiner Sicht sein:

• Intensivierung von Forschung, Entwicklung und Demonstration von Clean Coal Technologien, die auch das emissionsfreie Kohlekraftwerk mit einschließen sollte. Die vom Bundeswirtschaftsministerium eingeleitete Initiative zur Entwicklung einer nationalen Energieforschungsstrategie ist hier ein begrüßenswerter Anfang, dem aber bald konkrete Schritte folgen müssen.

Lösungen brauchen wir auch in finanzieller Hinsicht, wobei ich mir durchaus der engen Haushaltslage der öffentlichen Hand bewusst bin. Andererseits besteht aber bei den Kraftwerksbetreibern und -herstellern aufgrund der Liberalisierung kaum noch finanzieller Spielraum für eigene Forschungs- und Entwicklungsvorhaben sowie für kapitalintensive Investitionen mit langen Kapitalrückflusszeiten.

• die Förderung des Exports dieser Technologien, auch in Entwicklungs- und Schwellenländer, die hier einen großen Nachholbedarf haben.

Die in Kyoto vereinbarten flexiblen Instrumente „Joint Implementation“ und „Clean Development Mechanism“ weisen hier einen Weg. Moderne Kohletechniken dürfen von diesen Instrumenten nicht ausgeschlossen werden, wie dies von interessierter Seite gelegentlich gefordert wird.

Meine Damen und Herren,
lassen Sie mich abschließend festhalten, das wir die Anforderungen, die die Energie- und Umweltpolitik heute und künftig an uns stellt, nur mit der Kohle und mit modernen Kohletechniken erfüllen werden, nicht aber durch eine Verdrängung der Kohle aus dem Energiemix.

Eine Politik, die dafür die geeigneten Rahmenbedingungen schafft, dient unmittelbar der Klimavorsorge, sie dient aber auch dem wirtschaftlichen Wachstum in unserem Lande.

Glückauf!