Einbeziehung von Grubengas in den CO2-Emissionsrechtehandel

Die Europäische Gemeinschaft hat sich im Zusammenhang mit dem Protokoll von Kyoto dazu verpflichtet, neben den CO2-Emissionen fünf weitere Treibhausgase zu reduzieren. Hierunter fällt Methan (CH4). Auch Grubengas enthält Methan: Es ist ein brennbares Methan-Luftgemisch und explosionsfähig in einem Mischungsbereich von 5 bis 14% Methan. Es wird zwangsläufig während des Abbaus von Steinkohle freigesetzt und entweicht auch nach Stilllegung der Bergwerke für viele Jahrzehnte in die Atmosphäre. Deutschland ist in der Entwicklung der derzeit zur Absaugung praktizierten Methoden weltweit führend und beratend in Schwellenländern wie China und Indien tätig.

Vor dem Inkrafttreten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG 2000) war eine Verwertung des Grubengases in der Regel nicht wirtschaftlich. Es wurde nach dem Absaugen frei und unverändert in die Atmosphäre entlassen. Erst die Gleichstellung von Grubengas mit den erneuerbaren Energien im EEG ermöglichte eine umfassende und wirtschaftliche energetische Verwertung von Grubengas. Zugleich wurde damit die direkte Abgabe in die Atmosphäre begrenzt.

Die in NRW und im Saarland installierte elektrische Gesamtleistung von grubengasbasierten Kraftwerken liegt inzwischen bei 250 MW. In Deutschland wurden in 2009 damit rund 1 240 GWh Strom erzeugt, mit denen umgerechnet über 400 000 Haushalte versorgt werden können. Hinzu kommen rund 400 GWh/a Wärme aus energetisch hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplungsprozessen (KWK).

Die gezielte Abführung und Verwertung von Grubengas leistet neben dem Sicherheitsaspekt einen ganz wesentlichen Beitrag zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen. Denn die Verbrennung des im Grubengas enthaltenen Methans zu CO2 minimiert dessen Klimaschädlichkeit um den Faktor 18,25. Trotz dieses überaus positiven Aspekts unterliegen Grubengasanlagen > 20 MWth Feuerungswärmeleistung ab 2013 dem oben genannten Emissionsrechtehandel.

Die Aufnahme der großen Grubengasanlagen in den Emissionsrechtehandel steht im Widerspruch zu seiner praktikablen Durchführung: Denn der Handel soll ja klimawirksame Emissionen bewerten und Anreize für ihre Minderung schaffen. Dieser Gedanke ist für Grubengas nicht einschlägig, da mit dem Betrieb von Grubengasanlagen durch die vermiedenen Methanemissionen de facto eine vielfach höhere Entlastung des Klimas verbunden ist. Durch die Nutzung des Grubengases zur Stromproduktion und Wärmeabgabe wurden zwar im Jahr 2009 in Deutschland ca. 0,9 Mio. t CO2 emittiert, zugleich konnten jedoch jährliche Emissionen von rund 5,5 Mio. t CO2-Äquivalent vermieden werden. Dies entspricht einer Vermeidungsquote von rund 84%. Es dokumentiert zugleich die flächendeckende Aufstellung der Grubengasverwertungsgesellschaften sowohl im aktiven als auch im stillgelegten Bergbaubereich. Beide Ziele zusammen sind nicht möglich - nämlich das möglichst vollständige Fassen und Verbrennen des Brennstoffes Grubengas bei gleichzeitiger Reduzierung der CO2-Emissionen.

An der Ruhr richtet sich die Größe der Anlagen nach dem örtlichen Methanaufkommen. Somit werden hier je nach Gegebenheit entsprechend viele Blockheizkraftwerke (BHKW) zum vollständigen Absaugen des anfallenden Methans an einem Standort aufgestellt. Das bereits nach dem Zweiten Weltkrieg im saarländischen Steinkohlenrevier aufgebaute und ständig erweiterte Grubengasverbundnetz bietet die Möglichkeit, Grubengas-BHKW an Standorten mit hohem Wärmebedarf zu größeren Einheiten zusammenzufassen (Anlagen von mehr als 20 MWth Feuerungswärmeleistung), anstatt sie an den Standorten der Gasabsaugestationen verteilt aufzubauen. Dies hat den Vorteil, das Grubengas in der gekoppelten Strom- und Wärmeerzeugung einsetzen zu können, den Brennstoff mit einem Wirkungsgrad von rund 80% zu verwerten und die Wärme in Nah- und Fernwärmenetze einzuspeisen. Diese sinnvolle Konzentration der Verwertungsanlagen auf Wärme-senken kann jedoch durch den künftigen Emissionsrechtehandel in ihrer Wirtschaftlichkeit ernsthaft gefährdet werden: Die höheren Produktionskosten können den Endkunden auf Grund der festen EEG-Vergütungssätze nicht in Rechnung gestellt werden.

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