"Erneuerbare Energien dank Bergbauressourcen"

Bereits seit einigen Jahren befasst sich die RAG mit den unterschiedlichen Möglichkeiten, ihre Bergbau-Infrastruktur und das im Unternehmen vorhandene Know-how zur Gewinnung erneuerbarer Energie einzusetzen. Aus ersten Plänen sind inzwischen konkrete Projekte geworden, aus Ideen entstanden wissenschaftliche Untersuchungen und Machbarkeitsstudien.

Die RAG sieht Aktivitäten im Bereich der erneuerbaren Energien unter Nutzung der unternehmenseigenen Ressourcen als eine sinnvolle Ergänzung und Weiterentwicklung ihres Unternehmensprofils. Aufbauend auf den vorhandenen Infrastrukturen ergibt sich eine Flankierung des Auslaufprozesses. Zudem wird ein zukunftsträchtiges Betätigungsfeld für die Zeit nach Beendigung des Steinkohlenbergbaus entwickelt.

Dabei nutzt die RAG ihre Bergbau-Infrastruktur auf unterschiedliche Weise zur Gewinnung erneuerbarer Energien. Durch den Bergbau entstanden zahlreiche ca. 100 m hohe Halden, bis zu 1 300 m tiefe Schächte, ausgedehnte und unverbaute Grundstücke und große Gebäude. Zudem wird ca. 30°C warmes Grubenwasser an die Tagesoberfläche gepumpt. Unverzichtbar ist das im Unternehmen vorhandene Fachwissen, das für zukünftige Projekte genutzt werden kann.

Die EU, der Bund und die Länder wollen, dass die CO2-Emissionen in Zukunft deutlich verringert werden. Ziel des Bundes ist es bis 2020 zum Beispiel die Treibhausgasemissionen um 40% zu reduzieren, den Primärenergieverbrauch um 20% zu senken und den Anteil erneuerbarer Energien am Bruttoendenergieverbrauch um 18% und bis 2050 sogar um 60% gegenüber 1990 zu steigern. Auch die Landesregierung formuliert in ihrem Gesetzesentwurf zur Förderung des Klimaschutzes in NRW hohe Ansprüche: So sollen bis 2020 die Treibhausgasemissionen um 25% gesenkt werden und bis 2050 sogar um 80% gegenüber 1990.

Die RAG ist in der Lage zur Erreichung dieser Ziele ihren Beitrag zu leisten, indem sie ihre Bergbau-Infrastruktur einer Nachnutzung durch Erneuerbare-Energien-Projekte zur Verfügung stellt.

Der Stand der Projektentwicklung stellt sich unterschiedlich dar. Einige Projekte wurden bereits umgesetzt, andere wiederum befinden sich noch in der Planung. Die RAG unterscheidet zwischen der Nutzung untertägiger und übertägiger Ressourcen. So können beispielsweise die Grubenbaue zum einen für Pumpspeicherkraftwerke unter Tage, zum anderen als Wärmespeicher, aber auch als Wärmequelle für Gebäude genutzt werden.

Die übertägigen Ressourcen wie Haldenkörper und Flächen können als zukünftige Standorte für Windräder, Photovoltaik oder Biomasse eingesetzt werden.

Bei der Umsetzung arbeitet die RAG mit Partnern der Region zusammen. Hier kann das Engagement von Stadtwerken, Wohnungsbaugesellschaften oder auch Energieversorgungsunternehmen genannt werden.

Als Partner der RAG nutzt ein örtliches Energieversorgungsunternehmen die auf den Halden herrschenden küstenähnlichen Windverhältnisse. Diese Windenergie ist zur Stromerzeugung bestens geeignet. Auf der Halde Scholven in Gelsenkirchen wurden 2010 zwei ca. 100 m hohe Windkraftanlagen mit jeweils 2,3 MW errichtet, die ca. 10 000 Einwohner mit Strom versorgen können. Dieses höchst erfolgreiche Projekt ist Vorreiter für weitere Windkraftanlagen auf den zahlreichen Halden der RAG in NRW und dem Saarland.

Zur Gewinnung alternativer Brennstoffe, so genannter Biomasse, werden derzeit, ebenfalls in Gelsenkirchen, auf dem ehemaligen Zechengelände Hugo 2/5/8 schnell wachsende Bäume, hauptsächlich Pappeln und Weiden, angepflanzt. Dieser Biomassepark entsteht in Kooperation mit dem Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW, dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW und der RAG Montan Immobilien. Als eine Art Park ist diese Kurzumtriebsplantage von Jedermann begehbar. Die Einwohner von Gelsenkirchen profitieren von dieser Entwicklung, da diese Kurzumtriebsplantage die ehemals bergbaulich genutzte Fläche ökologisch aufwertet.

Die Nutzung von Sonnenenergie ist so erprobt wie effektiv. Die weit ausladenden Dächer der Kohlenmischhallen der RAG bieten sich für die Installation von Photovoltaikanlagen geradezu an. Die Hallen der RAG mit ca. 10 000 m2 großen Süddächern stehen überaus günstig im optimalen Winkel zur Sonneneinstrahlung. Als Vorbild dient dabei die Kohlenmischhalle Pattberg in Moers, die vom Eigentümer mit Solarkollektoren bestückt wurde.

Eine Begleiterscheinung des Bergbaus und gleichzeitig ein Herausstellungsmerkmal der RAG im Bereich erneuerbare Energien ist das Grubenwasser. Es ist durch seine Wärme von ca. 30 °C selbst Energieträger. Von der RAG werden rund 100 Mio. m³/a Grubenwasser gehoben. RAG beabsichtigt, diese Wärmeenergie an mehreren Standorten zu nutzen. Prädestiniert sind Großabnehmer, wie Schulen, Freibäder und Gärtnereien. Seit 2007 wird das auf dem Essener Zollverein-Gelände stehende Sanaa-Gebäude mit der Wärme aus Grubenwasser versorgt. Mit der vorhandenen Grubenwasserwärme des Standortes Zollverein könnten wesentlich mehr Gebäude versorgt werden. Es bieten sich die Hochschule sowie ein geplantes Hotel an.

Weitere Immobilien in Bochum sollen Ende 2011 von der Wärme des Grubenwassers profitieren. Die Stadtwerke Bochum beabsichtigen nahe des Schachtes Robert-Müser eine Feuerwache und einen Schulkomplex mit Wärme aus Grubenwasser zu versorgen. Das gehobene Wasser enthält so viel Energie, dass selbst für weitere Neubauten des dort ausgewiesenen Gewerbe-gebietes Wärme zur Verfügung gestellt werden könnte.

Die Schächte der RAG erschließen den Weg zum unendlichen Energielieferant "Erdwärme". Vermieden werden kostenintensive und zum Teil problematische Bohrungen, bei denen unsicher ist, wie hoch der Wärmegrad nach der Bohrung tatsächlich sein wird. Diesen Nachteilen der konventionellen Erdwärmegewinnung kann die RAG risikolos entgehen. Sie nutzt die vorhandenen Zugänge zur Gebirgswärme durch ihre offenen Schächte. Ein erstes Projekt wurde bereits in Marl, am Schacht Auguste Victoria 2 umgesetzt. Die Wohnungsbaugesellschaft Evonik Wohnen GmbH nutzt die "Schachtwärme". Ein in den Schacht eingebrachtes Sondensystem zieht die Wärme aus dem Gebirge zur Versorgung neu errichteter Mehrfamilienhäuser.

Auf eine weitere etwas ungewöhnliche Weise, wird ein Gebäude in Bottrop mit Wärme versorgt. Bei diesem Projekt wird die Energie nicht aus dem Erdinneren gewonnen, sondern von der Kokerei in Bottrop, die bis Mai 2011 zur RAG gehörte, als überschüssige Prozesswärme zur Verfügung gestellt. Ein Speichermedium, eingebaut in einen LKW-Container, speichert die Wärme und transportiert sie zu einem Grundschulgebäude.

Eine Möglichkeit Energie in größerem Umfang zu speichern, ergibt sich durch den Betrieb eines Pumpspeicherkraftwerkes. Die RAG kann hier ihre Potenziale wie Halden und Schächte nutzen, um Windenergie zwischenzuspeichern und bei Spitzenbedarf einzuspeisen.

An windreichen Tagen kann durch Pumpspeicherkraftwerke auf Halden der Stromüberschuss aus Windkraftanlagen dazu genutzt werden, Wasser aus einem tieferen Becken in ein auf dem Haldentop gelegenes Becken zu pumpen. Bei Spitzenstrombedarf fließt das Wasser zurück ins Unterbecken und treibt über eine Turbine einen Generator zur Stromerzeugung an. Gemeinsam mit einem überregionalen Energieversorger als Partner lässt RAG Montan Immobilien zurzeit eine Machbarkeitsstudie für ein solches Pumpspeicherkraftwerk auf einer Halde erstellen.

Die Idee des Untertagepumpspeichers ähnelt dem Prinzip des Pumpspeicherkraftwerks auf Halden. Nur dienen in diesem Fall die Grubenbaue als Unterbecken; das Oberbecken befindet sich an der Tagesoberfläche. Die Grubenbaue sind mit der Tagesoberfläche durch einen Schacht verbunden.

In Abhängigkeit von Menge und Fallhöhe könnten diese Kraftwerke bis zu 300 MWh Strom liefern. Die für die zentralen Wasserhaltungen vorzuhaltenden Schächte und Grubenbaue sowie Einrichtungen und Anlagen werden auf diese Art einer weiteren zusätzlichen Nutzung zugeführt, die wirtschaftlich zur Deckung der Grundkosten dieser Vorhaltung beitragen. So könnten die Pumpspeicherkraftwerke unter Tage einen Beitrag zur Deckung der Ewigkeitslasten leisten. In Zusammenarbeit mit Universitäten des Ruhrgebietes aus Bochum und Duisburg-Essen soll nun eine Projektskizze erarbeitet werden.

Für die RAG ergeben sich mit all diesen Projekten Chancen, ihre Grundflächen und Immobilien wirtschaftlich und nachhaltig zu nutzen. Gleichzeitig kann RAG im Rahmen ihrer Möglichkeiten Impulse für eine zukunftsfähige Branche auf den Weg bringen, die sich positiv auf den Strukturwandel der Region auswirken und Chancen für unternehmerische Perspektiven bieten.

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Steinkohlekraftwerk Voerde
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