Entwicklung auf den internationalen Steinkohlenmärkten 2008/2009

Im Jahr 2008 erhöhte sich die Weltsteinkohlenförderung gegenüber dem Vorjahr um rund 550 Mio. t oder um 11% auf 5,9 Mrd. t. Die bedeutendsten Förderländer waren China (2,7 Mrd. t) und die USA
(1,1 Mrd. t). Größter Steinkohlenexporteur war jedoch Australien mit
261 Mio. t.

Lediglich rund 16% der Weltproduktion gelangten in den internationalen Handel (Binnen- und Seehandel), rund 14% in den Überseehandel. Insgesamt wurden 839 Mio. t über den Seeweg gehandelt, wobei davon rund 25% auf Kokskohle und 75% auf Kesselkohle entfielen.

Im Jahr 2009 wirkt sich die Weltwirtschaftskrise mit voller Wucht auf den Weltsteinkohlenmarkt aus. Nach Angaben von EURACOAL ist der seewärtige Weltsteinkohlenmarkt im ersten Halbjahr signifikant (-8%) geschrumpft. Der Rückgang betraf vor allem Koks und Kokskohle, die vom Einbruch in der internationalen Stahlkonjunktur besonders hart betroffen waren.

Dabei entwickelten sich die einzelnen Kohlemärkte auch in geografischer Differenzierung sehr unterschiedlich. Deutlich ist eine erheblich stärkere Verschiebung der Gewichte vom atlantischen in den pazifischen Markt zu beobachten. Während die Exporte im atlantischen Kraftwerkskohlenmarkt stark rückläufig waren, konnte der pazifische Markt insbesondere infolge der wieder stärkeren chinesischen Nachfrage leicht hinzugewinnen. Dies war vor allem den steigenden australischen Exporten zu verdanken. Alle anderen Exportländer in diesem Teilmarkt lieferten deutlich weniger als im Vorjahr. Im atlantischen Kraftwerkskohlenmarkt reichten die Zuwächse bei den südafrikanischen und russischen Exporten nicht aus, die geringeren Lieferungen der restlichen Anbieter zu kompensieren. Das geringe Handelsvolumen am nordwesteuropäischen Kraftwerkskohlenmarkt ist vorwiegend auf die zuletzt relativ schwache Nachfrage in Europa zurückzuführen. Insbesondere die nordeuropäische Steinkohlenverstromung hat rezessionsbedingt nachgelassen. Doch auch die Kokskohlen- und Koksnachfrage der Stahlindustrie verzeichnete 2009 massive Einbrüche. Eine Besserung der Situation wird sich nur langsam einstellen können, da die nordwesteuropäischen Kohlelagerkapazitäten ihre Auslastungsgrenzen schon überschritten haben.

Der internationale Markt für Kokskohle ging 2009 ebenfalls stark zurück. Allein im ersten Quartal 2009 sank die Nachfrage um rund 30%. Dies war eine direkte Folge der Drosselung der Stahlerzeugung vor allem in den Industrieländern Asiens, Amerikas und Europas. Australien, die USA und Kanada meldeten historische Tiefststände bei ihren Kokskohlenexporten. China wandelte sich bei Kraftwerks- wie Kokskohle zum Nettoimporteur. Für die vorwiegend in Küsten- und Hafennähe angesiedelte chinesische Stahlindustrie waren Importe günstiger als Kokskohle aus heimischer Förderung, die erst über lange Entfernungen auf dem Landweg herangeschafft werden müsste. Für das gesamte Jahr 2009 wird ein Rückgang des Weltkokskohlenmarktes um rund 40 bis 50 Mio. t erwartet.

Im Koksmarkt war China in den letzten Jahren mit einem Marktanteil von fast 50% der dominierende Anbieter. In den ersten Monaten des Jahrs 2009 brach der Markt für China-Koks jedoch nahezu vollständig ein. Trotz der Freigabe von Exportlizenzen in annähernd gleicher Höhe wie im Vorjahr fand sich zumindest bis August 2009 weltweit kein Markt für chinesischen Koks. Insbesondere infolge der hohen Koksexportsteuer von 40% war chinesische Ware – politisch gewollt – viel zu teuer für den Weltmarkt. Bedeutendste Anbieter sind daher vorerst Kanada und die USA.

Die chinesische Wirtschaft weist trotz der Weltwirtschaftskrise eine vergleichsweise robuste Verfassung auf. Nach Einschätzung der OECD könnte China wie auch Indien in diesem Jahr wieder eine vergleichsweise hohe Wachstumsrate erzielen. Das macht sich bereits nicht nur beim Koks, sondern auch auf den internationalen Kraftwerkskohlen- und Kokskohlenmärkten bemerkbar. Die starke Nachfrage Chinas insbesondere nach Kohle und Erzen hat 2009 vor australischen Beladungs- und chinesischen Entladungshäfen schon zu langen Staus von Massengutfrachtschiffen geführt, die auf Abfertigung warten. Dadurch wurde Schiffsraum gebunden, der an anderer Stelle fehlte und zeitweilig wieder zu steigenden Frachtraten führte, so auch im atlantischen Markt. Im Zuge der weltweit stark rückläufigen Nachfrage nach Massengütern waren auch die Seefrachtraten seit Ende 2008/Anfang 2009 von historischen Höchstständen auf ein teilweise ruinöses Niveau gefallen. Dies hatte zu zahlreichen Marktaustritten geführt. Aufgrund von Aufgabe und Umwidmung von Exportkapazitäten werden Verknappungen am internationalen Steinkohlenmarkt künftig wahrscheinlicher.

Abzusehen ist bereits auch: Der Kampf um die Einflussnahme auf die Rohstoffvorkommen der Welt wird generell deutlich härter. Mitte 2009 nahmen chinesische Sicherheitsbehörden Mitarbeiter des australischen Bergbaukonzerns Rio Tinto unter dem Verdacht der Industriespionage fest. Zuvor war der Versuch des staatlichen chinesischen Aluminiumkonzerns Chinalco gescheitert, seinen Mehrheitsanteil an Rio Tinto – vor allem wegen des Eisenerzes in Westaustralien – aufzustocken. Dieses Ansinnen wurde durch Intervention der australischen Regierung, Medienproteste und Einreden weiterer Anteilseigner vereitelt. Dies hat zu erheblichen diplomatischen Differenzen zwischen den beiden Staaten geführt. Zuvor war Ende 2007 bereits ein Übernahmeversuch seitens BHP Billiton, das wie Rio Tinto zu den „Big Four” der internationalen Rohstoffwirtschaft zählt, vorerst gescheitert. Mitte 2009 verbanden sich die beiden Unternehmen allerdings durch Joint-Ventures im Eisenerz- und Kohlegeschäft auf andere Art stärker miteinander. China ist seit Frühjahr 2009 wieder verstärkt auf den internationalen Rohstoffmärkten aktiv: So hat es 2009 beispielsweise den internationalen Markt für Industriemetalle nahezu leer gekauft. Es bemüht sich darüber hinaus um die Beteiligung und Kontrolle an Bergbauunternehmen in Australien wie in anderen Ländern – dies auch im Hinblick auf den Zugriff auf Produktionskapazitäten im Kohlesektor (Felix Resources). Neben einer zunehmenden Unternehmenskonzentration auf den internationalen Steinkohlenmärkten zeichnet sich also auch hier, wie schon auf anderen Rohstoffmärkten, eine verstärkte Einflussnahme von einzelstaatlichen Rohstoffsicherungsstrategien ab.

Internationale Trends der Energie- und Steinkohlenmärkte
Die Krise hat auch den Energiesektor getroffen Globale Megatrends setzen sich fort Entwicklung auf den internationalen Steinkohlenmärkten 2008/2009
Weltsteinkohlenför-
derung und -verbrauch
Weltsteinkohlenförderung und -verbrauch
Welthandelsintensität bei Steinkohle
Welthandelsintensität bei Steinkohle
Preise für Kraftwerkskohle
Preise für Kraftwerkskohle
Frachtraten nach Europa
Frachtraten nach Europa