Seit den terroristischen Anschlägen vom 11. September 2001 auf das World Trade Center und das Pentagon sowie der Militärintervention in Afghanistan und dem Irak-Krieg ist die internationale Aufmerksamkeit stärker denn je einerseits auf den Mittleren Osten und Süd- sowie Zentralasien als auch auf den zukünftigen weltweiten Bogen der Instabilität (arc of instability), andererseits auf den Zusammenhang zwischen künftigen Kriegen und der globalen Ressourcenkonkurrenz gerichtet. Dieser Größere Mittlere Osten (auch Strategische Ellipse genannt) besitzt für die Stabilität der weltweiten Energieversorgungssicherheit im 21. Jahrhundert herausragende strategische Bedeutung, da in dieser Weltregion der Großteil der verbleibenden globalen Öl- und Gasreserven wie folgt konzentriert sind.
Darüber hinaus gelten 10 der 14 führenden Rohöl exportierenden Staaten seit Ende der 1990er-Jahre als politisch instabil. Ein Aufbrechen der innenpolitischen Konflikte könnte jederzeit zu größeren Unterbrechungen des Rohöl- und Erdgasexports dieser Länder führen. 50% der Weltenergienachfrage werden von Erdöl produzierenden Staaten gedeckt, deren innenpolitische Spannungen ein hohes Risiko darstellen. Zukünftig wird die Welt auf immer weniger Erdöl- und Erdgasförderstaaten angewiesen sein, die zudem häufig politisch instabil ein immer höheres Produktionsniveau zur globalen Erdöl- und Erdgasversorgungssicherheit gewährleisten müssen.
Energieengpässe mit drastischen Preissteigerungen oder sogar größeren Versorgungskrisen können daher auch für den mittelfristigen Zeitraum bis 2020 immer weniger ausgeschlossen werden.
Im Gegensatz zur Ölkrise in den 1970er-Jahren oder während des irakisch-iranischen Kriegs ab 1980 waren die hohen Preise bis zum August 2008 somit nicht auf eine einzelne akute politische Krise und eine temporäre Angebotsverknappung im Mittleren Osten zurückzuführen, sondern vor allem auf die globale Nachfrage und auf strukturelle Probleme auf der Angebotsseite (Engpässe bei Produktions-, Raffinerie- und Transportkapazitäten).
Die Schlüsselstellung Saudi-Arabiens als die Zentralbank von Rohöl für die globale Energiesicherheit resultiert vor allem aus dem Umstand, dass Riad der einzige Öllieferant ist, der noch über nennenswerte ungenutzte Förderkapazitäten verfügt (US-Experten sprechen von einem Energieäquivalent von Nuklearwaffen). Allerdings waren es (bei einem Produktionsniveau von insgesamt rund 10 Mio. bl/d) bis zum Sommer letzten Jahres nur rund 1,5 - 2 Mio. bl/d, die der weltweit größte Rohölproduzent in Krisenzeiten zusätzlich mobilisieren konnte. Damit sank der Anteil der freien Produktionskapazitäten im Vergleich zur weltweiten Ölnachfrage von 15% auf lediglich 2 - 3%. Die OPEC-Förderkapazitäten waren bis Mitte 2008 fast zu 99% ausgelastet – verglichen mit 90% in 2001 und lediglich 80% im Jahr 1990. Vor diesem Hintergrund hat der Internationale Währungsfonds (IWF) im Frühjahr 2005 die OPEC-Staaten aufgefordert, zusätzliche freie Produktionskapazitäten von mindestens 5 Mio. bl/d in den nächsten Jahren bereitzustellen, da sonst die globale Rohölversorgung nicht länger stabil zu halten sei. Doch mit Ausnahme Saudi-Arabiens ist bis heute kein anderer OPEC-Staat sowohl aus politischen als auch wirtschaftlichen Gründen bereit, dieser Aufforderung Folge zu leisten.
Mit der Verschiebung der weltweiten Rohölnachfrage aus den westlichen Industriestaaten in die bevölkerungsreichsten industriellen Schwellenstaaten wie China und Indien wird sich im 21. Jahrhundert auch der Hauptanteil der Raffinerien aus den USA und aus Europa nach Asien und in andere Weltregionen verlagern. Dies bedeutet: Nicht nur der größte Teil der Erdölförderung, sondern auch 60% der weltweiten Raffineriekapazität werden sich dann in zumeist politisch instabileren Ländern und Regionen befinden.
Daher suchen die Energie importierenden Staaten nach Möglichkeiten, einerseits die Abhängigkeiten zu reduzieren und andererseits im Rahmen ihrer Außen- und Sicherheitspolitik gute Beziehungen zu den Erdöl und Erdgas exportierenden Staaten aufzubauen. Die Frage nach der Energiesicherheit in den Industriestaaten war somit zu keiner Zeit nur eine außenwirtschaftliche Problematik, der mit ausschließlich (markt-) wirtschaftlichen Mitteln zu begegnen wäre.