Globale Megatrends setzen sich fort

Im Jahr 2008 stieg der Weltenergieverbrauch (Welt-PEV) gegenüber dem Vorjahr trotz der ersten Auswirkungen der Krise um 1,7% auf 17,8 Mrd. t SKE. Dabei deckten fossile Energieträger den weltweiten Primärenergieverbrauch zu gut 80%. Die Dominanz der fossilen Energieträger wird auch in Zukunft weiter bestehen bleiben, wie es nicht nur die Prognosen des US-Department of Energy (DOE) sondern auch die Prognosen der IEA erwarten lassen.

Auch wenn die oben skizzierten Entwicklungen die internationale Energiewirtschaft in sehr kurzer Zeit gehörig durcheinander gebracht haben, gibt es globale Megatrends, die auch in und nach der Krise weiterhin ihre Bedeutung behalten. Dazu zählt vor allem ein weltweit anhaltend steigender Energie- und Rohstoffbedarf, der die internationale Konkurrenz um knappe Energieträger und Rohstoffe verschärfen wird. Diese Tendenz beruht wiederum auf fundamentalen tieferen Ursachen.

So setzt sich das Weltbevölkerungswachstum weiter fort. Nach UN-Angaben wird die Weltbevölkerung von derzeit 6,8 Mrd. Menschen (2008) die 7-Milliarden-Marke in 2012 überschreiten. Für das Jahr 2050 gehen die UN von rund 9,1 Mrd. Menschen aus, wobei der größte Teil des Zuwachses auf die Entwicklungs- und Schwellenländer entfallen wird. Dagegen werde sich die Bevölkerungsgröße der Industrieländer in diesem Zeitraum absolut kaum verändern.

Durch das stärkere Bevölkerungswachstum und den wirtschaftlichen Aufholprozess der Entwicklungs- und Schwellenländer werden sich zugleich die wirtschaftlichen Gewichte in der Welt verschieben.

Noch wird der größere Teil des weltweiten Bruttoinlandsprodukts in den Industrieländern erzeugt. Doch schon in wenigen Jahren wird dieser Anteil auf unter 50% sinken und weiter zurückgehen. Damit verlagern sich die Produktions- wie auch die Nachfragezentren der Weltwirtschaft. Im Energiebereich geht diese Entwicklung sogar schneller voran. Im vergangenen Jahr haben die nicht der OECD angehörenden Länder nach Einschätzung des aktuellen „BP Statistical Review of World Energy” mit einem Anteil von gut 53% am Weltenergieverbrauch die OECD-Staaten überholt.

Gleichzeitig kommt es dabei zu erheblichen weiteren regionalen Verlagerungen, vor allem in Richtung auf China und den asiatischen Raum. Das Wachstum des weltweiten Energieverbrauchs in 2008 entfiel bereits zu 87% auf den asiatisch-pazifischen Raum und wurde neben China vor allem von Indien, Indonesien, Thailand, Südkorea und den anderen sog. Tigerstaaten verursacht. Ähnliche Tendenzen zeichnen sich auch bei den nichtenergetischen Rohstoffen ab.

Zu den anhaltenden globalen Megatrends gehört auch die zunehmende Urbanisierung. Seit 2007 leben zum ersten Mal in der Geschichte mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Nach UN-Prognosen werden in 25 Jahren knapp zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben. Auch die Städte selbst werden immer bevölkerungsreicher. „Megacities” – z. B. Tokio mit fast 36 Mio., New York oder Mexiko-Stadt mit jeweils 19 Mio. Menschen – werden in sich immer größer und ihre Anzahl nimmt zu. Mit der Größe wachsen jedoch die Probleme der Städte auch bei der Energieversorgung.

Nicht nur in den Städten, sondern ebenfalls und gerade auf dem Land bleibt zudem die Elektrifizierung eine zentrale Herausforderung. Nach Angaben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) haben derzeit weltweit etwa 1,6 Mrd. Menschen noch immer keinen Zugang zu elektrischem Strom.

Zu den globalen Megatrends zählen auch das weiter zunehmende Umweltbewusstsein und die politischen Maßnahmen zur Begrenzung des globalen Klimawandels. Ihr Schwerpunkt ist derzeit noch vorwiegend auf die Minderung der CO2-Emissionen ausgerichtet. Diese lagen nach BP-Angaben im Jahr 2008 bei rund 31,5 Mrd. t CO2. Gegenüber 1990 entsprach dies allerdings einer weltweiten Steigerung um 49%.

Die globalen Megatrends im Energiebereich werden auch von den weltweiten Ressourcen und Reserven an Energierohstoffen sowie deren Verfügbarkeit geprägt sein. Gemessen am Welt-PEV reichen gemäß jüngster Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) die weltweit gewinnbaren Ölreserven noch rund 40 Jahre, die Erdgasreserven rund 50 Jahre. Kohle (Stein- und Braunkohle) reicht noch für rund 140 Jahre: Sie ist mit einem Anteil an den gewinnbaren Weltreserven von fast 60% der am reichlichsten vorhandene Energierohstoff.

Bei Mineralöl und Erdgas ist auch die besonders starke Konzentration auf geopolitische Unruhezonen zu beachten, deren strategische Risiken in dem Gastbeitrag dieses Jahresberichts beschrieben werden. Dass die starke Konzentration der weltweiten Öl- und Gasvorräte besondere ökonomische Interessen weckt, liegt auf der Hand. Ende Dezember 2008 fand in Moskau ein Treffen der Energieminister der zwölf bedeutendsten Exporteure von Erdgas im Rahmen des Gas Exporting Countries Forum (GECF) mit folgendem Ziel statt: Es galt „die Zusammenarbeit zu vertiefen” und künftig auch institutionell auf eine festere Grundlage zu stellen, um auf einem immer stärker globalisierten Markt Angebot und Preise zu stabilisieren. Mitglieder des GECF sind neben Russland u. a. zahlreiche OPEC-Länder. Viele Beobachter sehen als Ziel dieses Forums, einen der OPEC ähnlichen Zusammenschluss zu erreichen („Gas-OPEC”). Russland hatte zuvor schon mit dem Iran und Katar eine internationale Troika zur Marktführerschaft vereinbart und war die treibende Kraft bei diesem Treffen.

Internationale Trends der Energie- und Steinkohlenmärkte
Die Krise hat auch den Energiesektor getroffen Globale Megatrends setzen sich fort Entwicklung auf den internationalen Steinkohlenmärkten 2008/2009
Energieverbrauch im Vergleich zur Weltbevölkerung und zum Bruttoinlandsprodukt
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Energiebedingte CO2-Emissionen in der Welt
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Anteile im Weltmaßstab 2008
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Weltvorräte an Öl und Gas, OPEC- und GECF-Anteile
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Missverhältnis zwischen Energiereserven und Verbrauchsstruktur
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