Mit der Zahl der Bergwerke wird bis 2012 auch die Förderung von 17 Mio. t im Jahr 2008 auf unter 12 Mio. t/a zurückgehen. Zugleich wird sich die Mitarbeiterzahl auf etwa 15.000 verringern. Gerade die Belegschaftsanpassung stellt den Steinkohlenbergbau vor große Herausforderungen. Dies setzt weiterhin die Nutzung aller verfügbaren personal- und sozialpolitischen Anpassungsinstrumente voraus. Darüber hinaus sind begleitende tarifvertragliche Regelungen getroffen worden, um die Ziele erreichen zu können.
Für die Personalanpassung gibt es ein vielfältiges Instrumentarium. Eine wesentliche Rolle spielt dabei auch in Zukunft das seit 1972 bestehende Anpassungsgeld (APG) für Arbeitnehmer im Steinkohlenbergbau. Danach können die Mitarbeiter bei Erfüllung bestimmter Voraussetzungen – etwa Überschreiten einer festgelegten Altersgrenze und Betriebszugehörigkeitsdauer – vorzeitig in den Vorruhestand wechseln. 2008 konnten damit 1.840 Mitarbeiter aus dem aktiven Arbeitsleben ausscheiden.
Allerdings können für zur Zeit noch rund 2.100 jüngere Mitarbeiter diese Regelungen nicht angewandt werden. Sie sollen bis 2012 das Unternehmen verlassen und eine andere Beschäftigung außerhalb des Bergbaubereichs finden. Auf diese Problematik hat die deutsche Steinkohle mit einem breit gefächerten personalpolitischen Instrumentarium reagiert. Es unterstützt in unterschiedlichster Form eine Integration der betroffenen Mitarbeiter in den allgemeinen Arbeitsmarkt. Hervorzuheben ist die Einarbeitungsqualifizierung: Sie ermöglicht es, in einer mehrmonatigen Kennenlernphase Arbeitsplätze außerhalb des Bergbaus zu erproben. Des Weiteren können sich Mitarbeiter in bis zu dreijährigen Umschulungsmaßnahmen für zukunftsträchtige Berufsfelder außerhalb des Bergbaus qualifizieren. Darüber hinaus behalten auch weitere, in den vergangenen Jahren erfolgreich erprobte unternehmensinterne Programme ihre Gültigkeit. Sie geben jüngeren Mitarbeitern alternative berufliche Perspektiven innerhalb und außerhalb des RAG-Konzerns und bieten ihnen Anreize zur Förderung der Flexibilität.
Eine geordneter Stilllegungsprozess des deutschen Steinkohlenbergbaus bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung einer mit Blick auf die Revisionsklausel funktionsfähigen Unternehmensstruktur: Mit diesem Ziel schlossen die Tarifparteien des Steinkohlenbergbaus – GVSt und IG BCE – im Juni 2009 den Tarifvertrag zur sozialverträglichen Flexibilisierung des rheinischwestfälischen und des Ibbenbürener Steinkohlenbergbaus. Er trat zum 1. Juli 2009 in Kraft und kann frühestens zum 31. Dezember 2012 gekündigt werden. Damit sollen die Interessen aller an dem Prozess Beteiligten zu einem angemessenen Ausgleich gebracht werden. So tragen seine Regelungen einerseits den Interessen der Mitarbeiter an einem höchstmöglichen Bestandsschutz ihrer Arbeitsverhältnisse Rechnung. Andererseits fordern sie im Gegenzug von den Arbeitnehmern aber ein sehr hohes Maß an Flexibilität – sowohl hinsichtlich Art und Ort ihrer Arbeitstätigkeit als auch der Bereitschaft zur Teilnahme an erforderlichen Qualifizierungen.
Mit diesen und ähnlichen Instrumenten ist es in den vergangenen 40 Jahren seit Gründung der Ruhrkohle AG gelungen, die Anzahl der Mitarbeiter von damals 280.000 auf rund 30.000 (Stand Ende 2008) – also um über 90 % – sozialverträglich, d. h. ohne betriebsbedingte Kündigungen zu reduzieren. Um das personalpolitische Ziel einer sozialverträglichen Anpassung der Belegschaft bis 2012 zu realisieren, wird es nötig sein, alle genannten Instrumente weiterhin anzuwenden. Erschwert werden die Bemühungen, den Personalabbau zu bewältigen, derzeit allerdings durch die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt. Viele Betriebe leiden unter dem durch die Wirtschaftskrise ausgelösten Konjunktureinbruch und nehmen derzeit keine Neueinstellungen vor. Es ist nicht auszuschließen, dass sich die Arbeitsmarktlage in Deutschland und so auch in den Bergbauregionen noch spürbar verschärfen wird.
Auch der GVSt hat Anpassungen vorgenommen und seine Strukturen verändert. Bei seiner Gründung im Jahr 1968 vereinte er noch die Interessen von fünf Unternehmensverbänden des deutschen Steinkohlenbergbaus unter seinem Dach. Heute ist er die einzige Interessenvertretung der Branche. Nachdem der GVSt bereits die Aufgaben des Unternehmensverbandes Steinkohle (UVSt) übernommen hatte, wurde 2009 der traditionsreiche Verein für die bergbaulichen Interessen (VbI), der im letzten Jahr sein 150-jähriges Jubiläum gefeiert hatte, auf den GVSt verschmolzen. Außerdem wurde der Gesamtverband Steinkohle in das Vereinsregister eingetragen. Die Belegschaft wird parallel zur Anpassung im Steinkohlenbergbau verkleinert. Im Zuge der Anpassung wird der Verband seinen Sitz zum 1. Januar 2010 nach Herne verlegen – an den Standort seines wichtigsten Mitglieds, der RAG Aktiengesellschaft.
Trotz der Notwendigkeit, die Personalzahlen an die geringer werdende Förderung anzupassen, gehört der deutsche Steinkohlenbergbau noch immer zu den großen Ausbildern in Nordrhein-Westfalen und dem Saarland. Er kommt so seiner sozialen und regionalen Verpflichtung nach. Auch im Jahr 2009 haben wieder rund 300 junge Menschen ihre Ausbildung bei der RAG begonnen. Damit beschäftigt das Unternehmen zu Beginn des Ausbildungsjahres 2009/10 insgesamt ca. 1.340 Auszubildende, wobei die Schwerpunkte in den Bereichen Industriemechaniker, Elektroniker für Betriebstechnik, Mechatroniker sowie im kaufmännischen Bereich liegen.
Mit der personellen Anpassung eng verbunden ist die Notwendigkeit der Know-how-Sicherung. Mit jedem Mitarbeiter, der das Unternehmen verlässt, drohen auch dessen Fachwissen und Erfahrung verloren zu gehen. Um diesem Problem wirksam begegnen zu können, bedarf es zunächst eines Überblicks über alle unternehmensweit vorhandenen Qualifikationen. Hierfür hat die RAG das Know-how-Sicherungssystem (KHS) eingeführt, das die Qualifikationen und Kompetenzen aller Mitarbeiter umfassend abbildet. Dadurch wird es möglich, für die auftretenden Qualifikationslücken den bestmöglichen Know-how-Träger zu identifizieren. Er kann dann entsprechend dem Bedarf im Unternehmen eingesetzt oder qualifiziert werden.
Der Gesamtverband Steinkohle e. V. (GVSt) wurde am 11. Dezember 1968 als Gesamtverband des deutschen Steinkohlenbergbaus gegründet. Heute vertritt und fördert er die allgemeinen Belange seiner Mitglieder aus Steinkohlenbergbau und verwandten Branchen, insbesondere auf wirtschaftspolitischem und sozialpolitischem Gebiet, und fungiert als Arbeitgebervereinigung und Tarifpartei für seine ordentlichen Mitglieder.
Wie andere Branchenverbände auch beteiligt er sich direkt und indirekt über Dachverbände an der politischen Willens- und Entscheidungsbildung in Deutschland. So ist der GVSt über die Vereinigung Rohstoffe und Bergbau e. V. (VRB) mittelbar im Bundesverband der Deutschen Industrie e. V. (BDI) vertreten. Als Arbeitgeberverband des deutschen Steinkohlenbergbaus ist der GVSt Mitglied der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) sowie der Landesvereinigung der Arbeitgeberverbände NRW und ist in allen wichtigen Gremien der Sozialversicherungsträger vertreten. Der Verband pflegt als Interessenvertretung der Branche Kontakte zu den für den Steinkohlenbergbau maßgeblichen Instanzen in Politik, Ministerien, Behörden sowie zu Universitäten, Forschungseinrichtungen, Kirchen und der Öffentlichkeit.
Gerade der Montanbereich steht – und stand seit 1950 – unter einem besonderen europäischen Fokus. So ist der GVSt auch Gründungsmitglied des Dachverbands des europäischen Kohlebergbaus EURACOAL, dem mittlerweile 28 Verbände und Unternehmen aus fast allen Kohleländern Europas angehören. Er vertritt über sein Brüsseler Büro auch spezifische Belange der deutschen Steinkohle, so vor allem in der europäischen Umweltpolitik. Darüber hinaus wirkt er in weiteren internationalen Organisationen wie dem World Coal Institute (WCI) mit.
Gemeinsam mit dem Deutschen Braunkohlen-Industrie-Verein e. V. (DEBRIV) betreibt der GVSt den Statistik der Kohlenwirtschaft e. V. Dieser Verein hat die Aufgabe, für die Kohleunternehmen die behördlich angeforderten Statistiken zu erstellen und im Rahmen dieses Zweckes Behörden und öffentliche Institutionen zu beraten.