Die Preisnotierungen auf den Weltmärkten für Steinkohle haben sich von ihren drastischen Einbrüchen auf dem Tiefpunkt der Weltwirtschaftskrise zur Mitte 2009 erholt und sind seitdem mehr oder weniger stark angestiegen. Die Spotpreise für Steinkohle haben sich zum Teil wieder an ihre historischen Höchststände im Boomjahr 2008 angenähert - getrieben durch das hohe Tempo des chinesischen und indischen Wirtschaftswachstums und unterstützt durch den kalten Winter auf der Nordhalbkugel, aber auch leicht gebremst durch die eher moderate Konjunkturerholung in den meisten Industrieländern und zu geringem Exportkapazitätsausbau in den Kohlenlieferländern
In den ersten Monaten des laufenden Jahres wurde der internationale Steinkohlenmarkt von einer Reihe von ernsten Angebotsstörungen heimgesucht. Sie ließen die Preise drastisch steigen, vor allem die der Kokskohle. Vor allem die durch starke Regenfälle verursachten Überschwemmungen im australischen Queensland hatten immense Produktionsausfälle zur Folge - neben Hafenarbeiter- und Bergarbeiterstreiks, Naturkatastrophen und anderen Wetterphänomenen. Eine Vielzahl von Lieferanten musste "Force-Majeure"-Erklärungen über höhere Gewalt abgeben. Die Lieferausfälle allein dafür wurden zwischenzeitlich auf rund 25 Mio. t jährlich beziffert und zogen sich noch über Monate hin. Der Benchmark-Preis für australische Premium-Kokskohle zog steil an und lag im Februar 2011 im Monatsmittel bereits über 320 US-$/t fob, das heißt frei australischem Verladehafen.
Auf der Suche nach Alternativen wurden pazifische Einkäufer in den USA (Ostküste) fündig, die in der Vergangenheit eher den atlantischen Markt bedienten. Die USA haben sich von den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise noch nicht erholt und aufgrund ihrer Konjunkturschwäche noch Mengen frei, die nun den Weg in den internationalen Kohlenmarkt finden sollen. Dies erweist sich jedoch als schwierig, da die US-Kohlelogistik von ihren Kapazitäten her nicht auf so große Lieferströme ausgerichtet ist. Darüber hinaus stand bisher der Export von Steinkohle im Fokus. Im Unterschied dazu hat sich die europäische Stahlindustrie (EU-27) in 2011 von der Krise wieder erholt und ihre Rohstahlerzeugung um rund 24% gegenüber dem Krisenjahr 2009 erhöht. Im Vergleich zum Boomjahr 2008 ergibt sich allerdings ein Rückgang um knapp 13%. Damit schwappte die Kokskohlenpreishausse zum atlantischen Markt über.
Mitte 2011 mehrten sich jedoch die Anzeichen einer Marktberuhigung, die wiederum von China ausging. Dies brachte zunehmend auch Kokskohlenanbieter wie BHP Billiton (BHPB) bei dem Versuch in Bedrängnis, die Preise für Premium-Qualitäten über 300 US-$/t zu halten. Vor diesem Hintergrund wird sich nicht nur BHPB gefragt haben, ob bei fallenden Preiserwartungen eine Umstellung des erst 2010 eingeführten Quartals-preissystems auf Monatspreise wirklich erstrebenswert sei. Seit Beginn 2011 versuchte BHPB, in einzelnen Verträgen eine Monatspreisbildung zu installieren, stieß damit jedoch trotz des Angebots von Preisabschlägen auf den heftigen Widerstand seiner Kunden. Die Stahlproduzenten bangten in einem immer unsicherer werdenden Markt aufgrund ihrer "Sandwich"-Position zwischen Rohstofflieferanten und Abnehmern (zum Beispiel Automobilindustrie) zunehmend um ihre Existenz. Dies führte zum Teil zur Abwanderung langjähriger BHPB-Kunden zur Konkurrenz (zum Beispiel US-Kokskohlenanbieter). Im Juli 2011 war BHPB nach eigener Aussage mit seinem Anliegen zuerst bei japanischen Stahlerzeugern und später bei indischen Einkäufern dahingehend erfolgreich, dass man sich auf eine jeweils hälftige Quartals-/Monatspreisbildung (50:50) hatte einigen können. Dies konnte jedoch vor dem Hintergrund der zu diesem Zeitpunkt rückläufigen Marktpreisentwicklung nicht als Durchbruch gewertet werden.
Der nordwesteuropäische Kraft-werkskohlenmarkt war in 2010 und in den ersten Monaten des Jahres 2011 gut versorgt, sieht man von temporären witterungsbedingten Engpässen (zum Beispiel Stark-Regen in Kolumbien) einmal ab. Bei sehr geringer Nachfrage und hohen Lagerbeständen hielten sich die Spotmarktpreise für Kraftwerkskohle mit einer Preisspanne von 120 bis 130 US-$/t auf erstaunlich hohem Niveau. Mit verantwortlich für diese Entwicklung waren jedoch auch die Euro-Devisenkursentwicklung in Relation zum US-$, die Entwicklungstrends in Richards Bay (Südafrika), spekulative Einflüsse, die Preise auf dem nachgelagerten Strommarkt sowie die Höhe des Ölpreises (Brent). Zur Jahresmitte 2011 nahmen die Stromversorger wieder mehr Mengen vom Lager. Daher wird nach dem Sommer wieder mit einer leicht steigenden Dynamik auf dem Kraftwerkskohlenmarkt gerechnet.
Die Seefrachtraten für Capesize-Massengutfrachter (mit 80 000 bis 120 000 dwt Frachtvolumen), die überwiegend im Kohle- und Erztransport eingesetzt werden, tendierten seit Jahresbeginn 2011 wieder niedriger. Sie glitten vor allem bei den atlantischen Destinationen (Hampton Roads und Richards Bay) zeitweilig in den einstelligen Bereich ab. Dies war eine Folge der Überschwemmungen in Australien (Dezember 2010/Januar 2011) und des Erdbebens in Japan (März 2011), die mittelfristig eine Verschiebung von Frachtraum in den Atlantik zur Folge hatten.
Die Erwartungen gehen weiterhin von moderaten Frachtraten aus, da das Capesize-Schiffsraumangebot in diesem und im nächsten Jahr durch ein prall gefülltes Auftragsbuch weiter anwachsen wird.