Gesamtverband Steinkohle e. V. - Jahresbericht Steinkohle 2015

Historische Entwicklung

Mit der Schließung des Bergwerks Saar, absehbar seit den Beschlüssen der Politik zum Steinkohlefinanzierungsgesetz von 2007 und beschleunigt durch die Erderschütterungen vom Februar 2008, endete der Bergbau im ältesten nachge-wiesenen Kohlenabbaugebiet auf deutschem Boden. Schon im 7. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung wurde in der "Heinitzer Keltengrub" Kohle aus dem bei Neunkirchen-Heinitz ausgehenden Flöz Tauentzien als Bodenschatz gefördert, wie Kännelkohle-Beigaben in keltischen Grabstätten zeigen. Steinkohlenfunde in römischen Wohnstätten in Saarbrücken, Brebach und Beckingen belegen, dass später auch die Römer Bergbau in diesem Teil der Provinz Germanien betrieben. Das oberflächennahe "wilde Graben" nach Steinkohle im Saarkohlenwald-Revier wurde schließlich durch die Landesherren eingedämmt, die im 14. und 15. Jahrhundert ihre Ansprüche auf den Bodenschatz aktenkundig machten. 1751 folgte dann die endgültige Verstaatlichung. Fürst Wilhelm Heinrich zu Nassau-Saarbrücken sicherte sich die Steinkohlengruben und Abbaufelder durch "Einziehung" und ließ 1754 die "Allgemeine Reservation" folgen. Fortan stand privates Schürfen unter Strafe und der Kohlenbergbau 250 Jahre lang unter zentraler staatlicher Lenkung -eine Besonderheit im europäischen Raum.

Die zentralisierte Bergverwaltung markiert den Beginn des "kunstgerechten", systematischen und rationellen Kohlenabbaus an der Saar. 1766 gab es zwölf Gruben im Saarrevier. Sieben Jahre später förderten bereits 141 Bergleute 21000 t Steinkohle aus 45 Stollen. 1769 war auf fürstliche Anweisung mit der "Bruderbüchse" eine erste Sozialkasse eingerichtet worden -ein Vorläufer des Saarbrücker Knappschaftsvereins. Bis 1790 stieg die Jahresförderung auf 50000 t an.

Mit dem Einmarsch napoleonischer Revolutionstruppen geriet das Saarkohlenrevier 1793 zum ersten Mal unter die Kontrolle Frankreichs. Zwei weitere Phasen französischer Administration sollten folgen. Nach dem Ersten Weltkrieg, als der Versailler Vertrag das Eigentum an den Saargruben ab 1920 für 15 Jahre den "Mines Domaniales Françaises de la Sarre" übertrug, und während der Zeit des wirtschaftlichen Anschlusses des Saarlands an Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg. Napoleon hatte noch 1807 die Errichtung einer Bergakademie in Geislautern bei Völklingen verfügt. Deren Ingenieure legten im Jahr 1810 mit dem "Saarkohlenatlas" die erste flächendeckende Kartografie der Kohlevorkommen vor. Noch war die wirtschaftliche Bedeutung der Steinkohlenförderung überschaubar, doch sie wuchs: 1813 betrug die Förderung 83000 t, drei Jahre später förderten 917 Saarbergleute bereits 100000 t Steinkohle im Saarrevier. Dessen Gruben gehörten seit dem Zweiten Pariser Frieden von 1815 zum überwiegenden Teil zum Staat Preußen und blieben nun rund 100 Jahre unter Aufsicht des preußischen Bergfiskus. In diese Zeit fiel die stürmische Entwicklung der Industrialisierung. Das Vordringen der Dampfmaschine ermöglichte sowohl die immer rationellere Förderung aus immer größeren Tiefen wie auch den Absatz der Kohle auf dem ab 1848 entstehenden Eisenbahnnetz und ab 1866 auf dem Saarkohlenkanal. Zugleich steigerte sich in ihrer Folge die Nachfrage nach Kohle, Koks und Stahl. Industrielle Infrastruktur und Kohlenabbau bildeten einen sich beschleunigenden und verstärkenden Kreislauf. Die ersten "Eisenbahngruben" Heinitz, Reden, Altenwald, Dudweiler und Von der Heydt entstanden. Auf den Fettkohlengruben wurden große Kokereianlagen errichtet. Das wachsende Netzwerk aus Bergwerken, Kokereien, Eisen-und Stahlwerken sowie Kohlekraftwerken wurde zum Motor der wirtschaftlichen Entwicklung und sicherte die Existenz von zehntausenden, bald hunderttausenden Menschen. 1860 förderten 12?700 Saarbergleute schon 2 Mio. t Steinkohle, bis 1872 verdoppelte sich die Fördermenge. 1890 betrug die Förderung der mittlerweile über 30000 Saar-Kumpel bereits fast 6,4 Mio. t, und im Jahr 1910 schickten 54?500 Mann fast 11 Mio. t. Den Beschäftigungshöchststand im Steinkohlenbergbau erreichte das Saarrevier Mitte der 1920er Jahre mit knapp 75000 Mitarbeitern, die höchste Jahresförderung lag im Jahr 1957 bei 16,3 Mio. t.