Kapitel 5
Europäische und internationale Energie- und Rohstoffmärkte

El Cerrejón - Verantwortlicher Bergbau in Kolumbien

Das GVSt-Mitglied STEAG GmbH gehört zu den großen Betreibern von Steinkohlenkraftwerken in Deutschland und ist daher auf entsprechende Importe des Brennstoffs angewiesen. Die Compliance-Regeln des Unternehmens lassen keine Kinderarbeit zu und lehnen jede Nutzung von Zwangs- und Pflichtarbeit ab. Von den Lieferanten wird erwartet, dass sie diese Grundsätze teilen und anerkannte Mindeststandards einhalten, wie sie im Global Compact der UN und in den Standards der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) entwickelt und festgelegt wurden. Es gehört zur Beschaffungspolitik der STEAG, die wesentlichen Gruben, aus denen Steinkohlen bezogen werden, eigenständig vor Ort in Augenschein zu nehmen. Dazu gehört auch zu überprüfen, in welcher Form der Bergbau durchgeführt wird und welche Auswirkungen auf das Umfeld festgestellt werden können. ln diesem Zusammenhang besuchen Mitarbeiter der STEAG die Anlagen, nicht zuletzt die des wichtigen Lieferanten El Cerrejón in Kolumbien, einem der bedeutendsten Lieferländer für Steinkohle in die EU.

El Cerrejón ist ein integrierter Bergbaukonzern im Norden des Landes in der Region La Guajira. Anteilseigner sind zu gleichen Teilen die international tätigen Bergbaukonzerne Anglo American, Xstrata Glencore und BHP Billiton. Zum Konzern gehören ein Steinkohlentagebau mit einer Jahresförderung von 34 Mio. t, der Meereshafen Puerto Bolivar und ein 150 km langes Schienennetz, das den Tagebau mit dem Hafen verbindet. Das Unternehmen beschäftigt rund 10 000 Mitarbeiter, von denen über 99 % kolumbianischer Herkunft sind. Mehr als 62 % der Mitarbeiter stammen aus der Region La Guajira. El Cerrejón ist das größte private Exportunternehmen Kolumbiens und der wichtigste private Steuerzahler. Gezahlt wurden zwischen 2002 und 2012 Steuern in Höhe von rund 3 Mrd. US-$ und rund 2 Mrd. US-$ an Lizenzgebühren. Die geförderte Kohle wird vollständig exportiert. Im Jahr 2012 betrug der Anteil von El Cerrejón am gesamten globalen Exportaufkommen von Kraftwerkskohle 3,9 %. Der Tagebau von El Cerrejón ist eine der größten und modernsten Steinkohlengruben weltweit.

Die Darstellung der nachfolgenden Themen zeigt, dass El Cerrejón sich selbst hohe Standards auferlegt:

Soziales Engagement

Die Bergbauregionen zählen zu den ärmsten Regionen in Kolumbien. Das Unternehmen engagiert sich sozial in vier selbst gegründeten Stiftungen, in die es allein im Jahr 2010 rund 10 Mio. US-$ investierte. Mit den Stiftungen sollen die Lebensbedingungen in der Region nachhaltig verbessert und ein Beitrag geleistet werden, damit die Region auch nach dem Auslaufen der Bergbauaktivitäten eine Perspektive hat. Im Jahr 2008 erlangte El Cerrejón einen Platz unter den ersten drei des von der Konrad-Adenauer-Stiftung, St. Augustin, und der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), Frankfurt am Main, ausgeschriebenen Preises „emprender paz“, als Zeichen besonderen Friedensengagements.

Das durchschnittliche Lohnniveau liegt beim Zehnfachen des kolumbianischen Mindestlohnes und stellt im Landesvergleich eine sehr gute Bezahlung dar. Mehr als 60 % der Mitarbeiter von El Cerrejón sind gewerkschaftlich organisiert, im Durchschnitt sind es in Kolumbien nur circa 7 %.

Umsiedelung und Einbeziehung der Dorfbewohner

El Cerrejón bindet nach eigenen Angaben die umzusiedelnden Familien intensiv in die Planung des Umzugs ein. So werden die Dorfbewohner bei der Auswahl eines neuen Stückes Land ebenso einbezogen wie bei der Gestaltung der neuen Häuser, die El Cerrejón für sie errichten lässt. Obwohl das neue Stück Land sowie das Haus nach kolumbianischem Gesetz als Kompensation ausreichen, zahlt El Cerrejón auf freiwilliger Basis zusätzlich eine Geldsumme als Entschädigung. Die Standards der Weltbank sowie der International Finance Corporation (IFC) werden ebenso eingehalten wie die ILO Convention 169, die die Rechte indigener Völker unter besonderen Schutz stellt. Zudem bietet El Cerrejón den Umgesiedelten Unterstützung bei der Eingewöhnung in der neuen Umgebung an, zum Beispiel durch psychosoziale Beratung.

El Cerrejón ist auch eines der Pilotunternehmen der Projekte des UN-Sonderbeauftragten für Menschenrechte und transnationale Unternehmen, bei dem es um die Einführung von Beschwerdemechanismen für Anwohner und Mitarbeiter geht.

Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit

Bei El Cerrejón werden Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit sehr ernst genommen. Ausrüstungsgegenstände wie Gehörschutz, Atemschutz, Helm und Sicherheitsschuhe sind selbstverständlich, die Anwendung wird kontrolliert. Dies gilt auch für Mitarbeiter von Drittfirmen. Die von El Cerrejón vorgestellten Unfallzahlen sind im Branchenvergleich niedrig. Auch kommen Sprühfahrzeuge zum Einsatz, die die Staubentwicklung entlang der Transportwege reduzieren. Zudem wird die Staubentwicklung wie andere Parameter in diversen Messstationen beobachtet. Alle unternehmensinternen Umweltgrenzwerte sind nach Firmenangaben durchgehend 10 % strenger als die gesetzlich vorgegebenen Grenzwerte. Für seine Maßnahmen im Bereich der Umweltverantwortung („Environmental Responsibility in Research and Projects“) erhielt das Unternehmen 2009 einen Preis, der unter anderem vom United Nations Development Program (UNDP) unterstützt wird.

Unabhängiges Gremium erarbeitete Empfehlungen

El Cerrejón hat sich auf Veranlassung seiner Anteilseigner seit 2007 einem „Independent Third Party Review“ unterzogen, das die Aktivitäten auf dem Gebiet der Corporate Social Responsibility (CSR) und den Umgang mit anliegenden Kommunen untersucht. Das Ergebnis waren 24 Empfehlungen, von denen 20 bereits abgearbeitet sind. Halbjährlich berichtet El Cerrejón öffentlich auf der Unternehmenswebsite über den Fortschritt dieser Projekte.

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