Verantwortlich handeln. Perspektiven schaffen.

Kapitel 3
Umweltschutz

Alternative Kohlenutzung

Dem Versuch der Europäischen Kommission, die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (CCS = Carbon Capture and Storage) zur Voraussetzung für die Kohlenutzung in Europa zu machen, steht ein wachsender Widerstand in der Öffentlichkeit entgegen. Eine Alternative zu CCS besteht darin, das Kohlendioxid abzuscheiden und stofflich zu verwerten (CCU = Carbon Capture and Usage). Beispielsweise könnten durch den Power-to-Methanol-Prozess Kraftstoffe und Additive für Kraftstoffe hergestellt werden. Zwar ist die Methanolwirtschaft kein Instrument der europäischen Politik, immerhin läuft aber beim Forschungsdienst des Europäischen Parlaments das Methanolprojekt „Science and Technology Options Assessment“ (STOA) zur Erzeugung eines Alternativtreibstoffs für den Transport- und Verkehrssektor mittels CO2-Nutzung.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt im Rahmen des Programms „Forschung für Nachhaltigkeit“ die Förderrichtlinie „Technologien für Nachhaltigkeit und Klimaschutz – chemische Prozesse und stoffliche Nutzung von CO2“. Hierbei zeigt das in Deutschland geförderte Verbundprojekt SUNFIRE erste Erfolge. Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines innovativen Verfahrens, in dem CO2 und H2O mittels erneuerbarer Energie durch Nutzung der hocheffizienten Hochtemperatur-Wasserdampf-Elektrolyse in einem Wärmekreislauf mit einem Gesamtwirkungsgrad von über 70 % in Kraftstoffe umgewandelt werden. Am 14. November 2014 weihte die Bundesforschungsministerin Johanna Wanka die weltweit erste Power-to-Liquids-Demonstrationsanlage ein, und im März 2015 produzierte die Dresdener sunfire GmbH unter Einsatz von Ökostrom erstmals synthetischen Dieselkraftstoff. Der hochreine, schwefelfreie, synthetische Kraftstoff enthält keine Aromaten, somit verbrennt er rußfrei, was wiederum zur hohen Oktanzahl des Diesels führt. Damit läuft ein Automotor ruhiger und es entstehen weniger Schadstoffe. Der Vorteil von Power-to-Liquids-Treibstoffen ist, dass die gesamte bestehende Infrastruktur wie Tankstellen, Leitungen und Motoren unverändert genutzt werden kann. Gegebenenfalls könnte, wenn der Gesetzgeber die Anforderungen an Biokraftstoffe weiter verschärft, der synthetische Kraftstoff beispielsweise den im Super E10 umstrittenen Anteil Bioethanol – hergestellt aus ganzen Pflanzen oder pflanzlichen Abfällen – ersetzen.

Die Herstellung von Methanol im Rahmen einer „CO2 als Wertstoff“-Strategie sollte nicht nur als ein alternatives Verfahren zur Erzeugung von Methanol betrachtet werden. Es sollte als eine Möglichkeit zur Verringerung des CO2-Gehalts in der Atmosphäre und zur Verwertung von CO2 für die Herstellung von Produkten, die im Transport- und Verkehrssektor verwendet werden können, gesehen werden – bei gleichzeitiger Steigerung der Versorgungssicherheit unter heimischer Wertschöpfung.

Methanol kann ebenfalls als Speichertechnologie betrachtet werden. Die Speicherung von Energie ist eine Voraussetzung für jeden weiteren Ausbau der Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen, da diese nicht durchgängig zur Verfügung stehen. Im Januar 2015 stellte die STEAG GmbH als größter Erzeuger von Strom aus Steinkohle ein neues Forschungsprojekt vor. Das STEAG-Entwicklungsteam wird zusammen mit internationalen Partnern am Kraftwerk Lünen an der Weiterentwicklung der Power-to-Liquids-Technologie arbeiten. Hierbei sollen Kohlendioxidemissionen aus dem Steinkohlenkraftwerk in Brennstoff umgewandelt werden. Das Projekt wird aus dem EU-Forschungsprogramm Horizon 2020 mit einem Zuschuss in Höhe von 11 Mio. € gefördert (EU-Förderkennzeichen: 637016). Einer der Projektpartner ist das Unternehmen Carbon Recycling International (CRI), an dessen Produktionsstätte in Island bereits Wasserstoff aus erneuerbaren Energien und CO2 zu Methanol umgewandelt werden. Darüber hinaus sind auch Mitsubishi Hitachi Power Systems Europe, Hydrogenics, I-DEALS und mehrere Universitäten und Forschungsinstitute in Europa an dem Projekt beteiligt.

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Kapitel 4

Internationale Energie - und Rohstoffmärkte