Verantwortlich handeln. Perspektiven schaffen.

Kapitel 1
Rahmenbedingungen

Energiewirtschaftliche Rahmendaten

Der mit der Energiewende gewollte Umbau der Energieversorgung in Deutschland geht voran, aber keineswegs im Schnelldurchgang. Zwar ging der inländische Primärenergieverbrauch (PEV) im Jahr 2014 nach vorläufigen Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen e. V. recht deutlich um 5 % zurück – trotz des in diesem Jahr merklichen Wirtschaftswachstums – und erreichte mit rund 448 Mio. t SKE das niedrigste Niveau seit der deutschen Einheit. Doch den stärksten Einfluss darauf hatte nicht etwa eine sprunghaft erhöhte Energieeffizienz, sondern die im Vergleich zu 2013 erheblich mildere Witterung und der damit verringerte Bedarf an den Heizenergien Öl und Gas. Daher ergab die temperaturbereinigte Schätzung des Verbrauchs an Primärenergie einen Rückgang von nur etwa 1 %. Im Mix der Primärenergieträger gab es im Jahr 2014 leichte Anteilsverschiebungen, ohne dass sich die seit langem etablierte Struktur wesentlich verändert hätte. Der PEV in Deutschland wird weiter dominiert vom Mineralöl, dessen Anteil trotz eines relativ leichten absoluten Verbrauchsrückgangs sogar auf 34,4 % zunahm. Dahinter rangiert mit großem Abstand weiter das Erdgas (20,5 %), wie bisher vor der Steinkohle (13,1 %) und der Braunkohle (12,0 %) sowie der Summe der erneuerbaren Energien (11,3 %). Die auslaufende Nutzung der Kernenergie trug 2014 noch gut 8 % zur Deckung des PEV bei, die Sonstigen (wie nicht regenerativer Abfall oder unter anderem auch Grubengas) weniger als 1 %.

Annähernd wie im Jahr 2013 mussten gut 70 % des PEV durch Importenergien gedeckt werden. Die Importquoten betrugen 98 % beim Mineralöl, 88 % beim Erdgas und 87 % bei der Steinkohle. Den größten Beitrag zur inländischen Energiegewinnung leistete die Braunkohle – noch immer vor den erneuerbaren Energien, die zunehmend ihren Anteil hierzu beisteuern.

Im Energieträgermix strukturell am deutlichsten bemerkbar gemacht hat sich die Energiewende seit dem vergangenen Jahr in der Stromerzeugung. Während die Bruttostromerzeugung im Jahr 2014 insgesamt um 2 % auf 625 TWh zurückging – wovon allerdings im Saldo knapp 36 TWh exportiert wurden –, erlangte der Beitrag der erneuerbaren Energien insgesamt (Windkraft, Photovoltaik, Biogas, Wasserkraft etc.) im Jahr 2014 erstmals den größten Anteil an der Erzeugung (25,8 %), dies noch vor dem bisherigen Spitzenreiter, der Braunkohle (24,9 %). Die Steinkohle belegte auch im Stromerzeugungsmix weiter den dritten Rang (18,9 %). Weiter zugenommen hat im Stromsektor unterdessen die Diskrepanz der Anteile der einzelnen Energieträger an den Kapazitäten und an der Erzeugung. Ungeachtet der in diesem Jahr rückläufigen Stromerzeugung ist durch den Ausbau der erneuerbaren Energien mit ihrer relativ wenig gesicherten Leistung die Gesamterzeugungskapazität in Deutschland im Jahr 2014 um knapp 6 % auf 195 TWh (netto) gestiegen. Dabei trugen die Windkraft und die Photovoltaik mit Anteilen von ungefähr je einem Fünftel an der Kapazität nur knapp 9 % bzw. 6 % zur Erzeugung bei. Umgekehrt leistete etwa die Steinkohle mit einem Anteil von 14 % an der Kapazität einen Beitrag von fast 19 % zur Stromerzeugung, trotz zeitweise spürbar schlechterer Auslastung der Kraftwerke infolge des Erneuerbaren-Vorrangs und des geringeren Stromverbrauchs.

Für den Rohstoff Steinkohle ist die Stromerzeugung in Deutschland nach wie vor der wichtigste Einsatzbereich, auf den zwei Drittel des gesamten Verbrauchs entfallen. Allerdings ging der Steinkohlenverbrauch der Kraftwerke 2014 um fast 6 % auf 39,5 Mio. t SKE zurück. Hier machten sich die insgesamt rückläufige Stromerzeugung und das Vordringen des durch Einspeisevorrang und garantierte Vergütungen gestützten regenerativen Anteils besonders bemerkbar. Dagegen gab es beim Verbrauch von Kokskohle und Koks in der Stahlindustrie aufgrund der besseren Konjunktur einen leichten Zuwachs um 1,1 % auf 17,8 Mio. t SKE. Im Wärmemarkt, in dem die Steinkohle heute nur noch Nischenfunktionen wahrnimmt (Hausbrand, Fernheizwerke, spezifische gewerbliche Zwecke, Gießereikoks), wurden lediglich noch 1,5 Mio. t SKE verbraucht. Insgesamt ging der Steinkohlenverbrauch in Deutschland 2014 um fast 4 % auf 58,8 Mio. t SKE zurück. Der Anteil der einstmals dominierenden heimischen Steinkohle am deutschen Steinkohlenmarkt lag 2014 nur noch bei 13 % und er geht bald weiter zurück. Nach 2018 wird der deutsche Steinkohlenmarkt vollständig durch Importe gedeckt werden.

Kraftwerkskapazitäten und Stromerzeugung in Deutschland 2014
Kraftwerkskapazitäten und Stromerzeugung in Deutschland 2014