Verantwortlich handeln. Perspektiven schaffen.

Kapitel 4
Internationale Energie - und Rohstoffmärkte

Steinkohlenweltmarkt

Umwälzungen im internationalen Steinkohlenbergbau

Abgesehen von zahlreichen Anti-Kohle-Kampagnen waren dieses und das vergangene Jahr für die internationale Kohleindustrie auch von der Marktseite her besonders schwierig und ereignisreich. Das schon im Vorjahr bestehende Überangebot auf den weltweiten Kraftwerks- und Kokskohlenmärkten hat sich in diesem Jahr noch verstärkt und mündete in extremem Preisverfall und einem Käufermarkt. Die ohnehin schon knapp bemessenen Margen schrumpften weiter und trafen somit insbesondere Produzenten mit hohen Produktionskosten hart. Dies galt vor allem für US-Produzenten, die neben dem zunehmenden politischen Widerstand („War on Coal“) und den letzten beiden ungewöhnlich kalten nordamerikanischen Wintern mit Ausfällen in der gesamten US-Kohlelieferkette zusätzlich noch mit niedrigen Gaspreisen – insbesondere bedingt durch den dortigen Fracking-Boom –, entsprechend hoher Konkurrenz auf den heimischen Strommärkten und dem wegbrechenden Inlandsabsatz zu kämpfen hatten. Zudem mussten sie feststellen, dass auch Exporte nach Asien und Nordwesteuropa sich infolge der niedrigen Preise immer weniger oder gar nicht mehr lohnten – trotz stark gesunkener Seefrachtraten. Als Reaktion blieben letztendlich nur noch Produktionskürzungen und vorübergehende sowie zum Teil auch endgültige Stilllegungen von Bergwerken, verbunden mit hohen Arbeitsplatzverlusten. Verschärft wurde die Situation noch zusätzlich durch die aggressive Vermarktungspolitik einiger großer australischer Anbieter, die Kostendegressionseffekte nutzen wollten und ihre Produktionskapazitäten deshalb bis auf Rekordniveau auslasteten und damit Konkurrenten – in der Mehrheit in den USA und Kanada – aus den Märkten verdrängten. Im vierten Quartal 2014 verzeichnete etwa der australische Bergbaugigant BHP Billiton insbesondere in seinen Kokskohlenbergwerken Allzeitrekorde bei der Förderung, die in den Folgemonaten noch überboten wurden.

Nichtsdestotrotz gingen die immensen Umwälzungen im internationalen Bergbaugeschäft auch nicht spurlos an BHP Billiton vorbei. Der Konzern strukturierte Mitte dieses Jahres um und legte den Fokus auf Geschäftsfelder wie Öl und Kupfer. Die sonstigen Konzernaktivitäten (Aluminiumgeschäft, Förderung von Kraftwerks- und Kokskohle, Blei, Nickel, Zink u. a.) wurden in die neue, eigenständig operierende Gesellschaft South32 ausgelagert.

Die offensive Marketingstrategie Australiens, extreme Witterungseinflüsse und der politische Gegenwind aus dem eigenen Land hatten für US-Anbieter drastische Folgen. Beispielsweise meldete der zweitgrößte Kohleförderer der Vereinigten Staaten, Alpha Natural Resources, am 3. August dieses Jahres Insolvenz an und folgte damit dem Schicksal namhafter US-Kohleproduzenten wie Walter Energy, Patriot Coal und James River Coal, die sich schon zuvor zu diesem Schritt gezwungen sahen. Der nächste Schlag gegen die US-amerikanische Kohleindustrie ließ trotzdem nicht lange auf sich warten. Ebenfalls am 3. August trat US-Präsident Obama mit einem weiteren nationalen Klimaschutzvorhaben an die Öffentlichkeit. Dieser „Clean Power Plan“ richtet sich auf mehr als 1 500 Seiten vor allem gegen die Kohleverstromung und fordert im Kern die heimischen Energieerzeuger erstmals verbindlich dazu auf, ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 um 32 % gegenüber dem Basisjahr 2005 zu senken. Die oppositionellen Republikaner lehnen diese „obamische Klimapolitik“ vehement ab, da sie immense Arbeitsplatzverluste sowie gravierende Nachteile für die US-Wirtschaft befürchten. Ihre Mehrheit im US-Kongress nützt ihnen allerdings wenig, da Obama seine Klimainitiative nicht als neues Gesetz, sondern als zusätzliche Verordnung konzipiert hat. Eine solche wäre nicht von der Zustimmung des USKongresses abhängig.

Angebots- und Nachfrageentwicklungen

Der Verein der Kohlenimporteure e. V. schätzt, dass sich die weltweite Steinkohlenförderung im Jahr 2014 mit rund 7,2 Mrd. t ungefähr auf Vorjahresniveau bewegte. Knapp 17 % oder 1,2 Mrd. t davon gelangten in den seewärtigen Steinkohlenhandel (ohne Binnenhandel), der damit gegenüber dem Vorjahr um 5 % gestiegen sein dürfte. Dabei entfielen drei Viertel des Seehandelsaufkommens auf Kraftwerkskohle, der Rest auf Kokskohle.

Haupteinflussfaktoren für den eher moderaten Verlauf der weltweiten Entwicklung des Steinkohlenverbrauchs waren insbesondere das gebremste Weltwirtschaftswachstum sowie der nachlassende Anstieg der asiatischen Stromnachfrage. Dies führte sowohl im pazifischen wie auch im atlantischen Markt zu hohen Überkapazitäten, die zunächst über Produktionskürzungen, später dann durch temporäre Außerdienststellungen und schließlich durch Stilllegungen von Bergwerken teilweise abgebaut wurden. Mit dieser Hypothek der Überkapazitäten sind die internationalen Kohlemärkte auch in diesem Jahr konfrontiert. Im vergangenen Jahr wurde in China erstmals seit 17 Jahren weniger Kohle im Vergleich zum Vorjahr gefördert – ein Rückgang um 2,0 % auf knapp 3,6 Mrd. t. Auch sind in China strukturelle Veränderungen bei den Kohleimporten wahrscheinlich. Seit Anfang dieses Jahres gelten in der Volksrepublik neue verbindliche Qualitätsstandards für Kraftwerkskohleneinfuhren, die faktisch einem Importverbot für niedrigere Kohlequalitäten gleichkommen. Betroffen sind hierbei insbesondere Einfuhren aus Indonesien, das zudem schon in Indien Marktanteile an südafrikanische und australische Wettbewerber verloren hat. Obwohl der indische Markt für Kraftwerkskohlenimporte im Jahr 2014 um 34 % gestiegen ist, ist der Marktanteil Indonesiens von 81 % im Jahr 2013 auf 75 % im Jahr 2014 gesunken. Indien hat seine Importe aus anderen Ländern erhöht, um verfehlte Produktionsziele des staatlichen Kohleförderers Coal India Ltd. auszugleichen.

Deutsche Steinkohlenimporte

Nach Erhebungen des Statistischen Bundesamtes laut Energiestatistikgesetz, die allerdings nicht alle Mengen erfassen, aber eine Aufteilung nach Herkunftsländern bieten, sind die deutschen Steinkohleneinfuhren im vergangenen Jahr um 3 % auf rund 46 Mio. t SKE angestiegen. Anteilsmäßig waren dabei Russland mit 27 %, die USA mit 19 % und die EU (hauptsächlich Polen) mit 13 % die wichtigsten Bezugsquellen. Bei den Kraftwerkskohlenimporten dominierte Russland mit 30 % vor Südafrika und den USA mit jeweils 16 % sowie vor Kolumbien mit 15 %. Ein knappes Drittel der deutschen Kokskohlenimporte stammte aus den USA, mehr als ein Fünftel kam jeweils aus Kanada und Australien. Etwas weniger als die Hälfte der deutschen Koksimporte wurde aus EU-Ländern geliefert, ein knappes Drittel aus Russland.

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Anhang

Kennzahlen
Seewärtige Kraftwerks-
kohlenexporte nach Lieferländern
Seewärtige Kraftwerkskohlenexporte nach Lieferländern
Deutsche Steinkohlenimporte 2013/2014 inkl. Koks
Deutsche Steinkohlenimporte 2013/2014 inkl. Koks