Gesamtverband Steinkohle e. V. - Jahresbericht Steinkohle 2015

Kapitel 1
Rahmenbedingungen

Nachhaltigkeit als unternehmerische Rahmenaufgabe: das Beispiel der Wasserhaltungskonzepte

Die Grubenwasserhaltung ist im Hinblick auf die Anforderungen der Nachhaltigkeit zweifellos das herausragende Thema unter den Ewigkeitsaufgaben der RAG nach dem Auslaufen des deutschen Steinkohlenbergbaus. Schon immer war sie eine wichtige Aufgabe, die zusammen mit dem aktiven Kohleabbau unter Tage betrieben werden musste.

Denn die Gruben müssen frei gehalten werden von einsickerndem Regenwasser, das entlang von Gesteinsschichten und Klüften in den Boden und die Abbaubereiche vordringt. In den deutschen Steinkohlenrevieren wird daher seit je Grubenwasser gepumpt, um den Abbau unter Tage dauerhaft möglich zu machen und die Sicherheit der Bergleute nicht zu gefährden. Im Jahr 2014 waren es rund 92 Mio. m³. Auch nach dem Ende des Steinkohlenbergbaus muss das sich weiter ansammelnde Grubenwasser stetig abgepumpt werden, um eine Verunreinigung der darüber lagernden Trinkwasserhorizonte durch das infolge der Gesteinseinflüsse oft stark salz-und mineralienhaltige Grubenwasser zu vermeiden. Nötig sind demzufolge dauerhaft nachhaltige Wasserhaltungskonzepte für die Steinkohlenreviere auch nach dem Auslauf der Kohlenförderung. Aus ökologischer Sicht kommt dabei dem Trinkwasserschutz höchste Priorität zu. Aus ökonomischer Sicht stellt sich die Frage, wie im Rahmen dieser Prioritäten die Kosten der Wasserhaltung optimiert werden können. Klar ist, dass die spätere konkrete Ausgestaltung von den jeweiligen bergbehördlichen Genehmigungen und rechtlichen Rahmenbedingungen sowie von funktionierenden untertägigen Wasserwegen abhängt. Für alle Maßnahmen werden gesonderte Zulassungen beantragt. Diese werden durch Gutachten sowie entsprechendes Monitoring in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden begleitet. Das ganze Genehmigungsverfahren erfolgt in Teilschritten, so dass neue Erkenntnisse in den Folgeschritten berücksichtigt werden können. Dieser Prozess kann jederzeit gestoppt und die weitere Planung revidiert werden, falls einmal tatsächlich ernste Risiken für Mensch und Umwelt sichtbar werden sollten.

Die in Planung befindlichen Wasserhaltungskonzepte der RAG sehen im Grundsatz vor, die Zahl der Wasserhaltungsstandorte sukzessive zu reduzieren (derzeit gibt es noch fünf an der Saar, elf im Ruhrrevier und zwei in Ibbenbüren), die bisherigen Pumphöhen auf unkritische Niveaus zu verringern und einige Kosten sparende technische Veränderungen wie die Umstellung auf Brunnenwasserhaltung mit Tauchpumpen vorzunehmen. Die geplante Umstellung erfolgt in mehreren Phasen, die jeweils ausgewertet werden und Korrekturen erlauben, und erstreckt sich insgesamt über rund 20 Jahre. Das noch abschließend zu prüfende Vorhaben, stillgelegte Schachtanlagen eventuell als Pumpspeicherkraftwerke zur Flankierung der fluktuierenden regenerativen Stromerzeugung zu nutzen, wird durch die neuen Wasserhaltungskonzepte nicht beeinträchtigt. Am Ende soll es noch eine zentrale Wasserhaltung an der Saar, eine in Ibbenbüren und sechs Wasserhaltungsstandorte im Ruhrrevier geben. Durch Umbau bisheriger Pumpstandorte auf Reservebetrieb wird außerdem der jederzeitige Zugriff auf das Grubenwasserniveau erhalten. Die laufende strikte Überwachung der Gewässerökologie wird fortgesetzt. Insgesamt senkt dies die laufenden Betriebskosten – die insbesondere mit dem für das Pumpen nötigen Strom als energetischem Aufwand zusammenhängen – und auch die Erhaltungsaufwendungen unter Tage lassen sich angemessen verringern. Dadurch können die für diese Zwecke einzusetzenden finanziellen Mittel optimiert werden. Zugleich wird der Trinkwasserschutz zuverlässig gewahrt, was ein dauerhaftes Grundprinzip und keine Frage der Kosten ist. Ebenso werden mit den neuen Konzepten weitere Schutzziele wie die Vermeidung von Hebungen der Oberfläche, Tagesbrüchen, Bergschäden oder erhöhten Methanausgasungen angestrebt. Unter Naturschutzaspekten ergibt sich außerdem eine weitere deutliche Verbesserung. Denn durch die geplanten neuen Wasserhaltungskonzepte können etliche natürliche Gewässer vom Grubenwasser entlastet werden, und es wird eine naturnahe Regulierung von Vorflutstörungen möglich.

Darüber hinaus bietet jeder neu konzipierte Wasserhaltungsstandort mit der ihn umgebenden bergbaulichen Infrastruktur künftig auch die Möglichkeit, die Wärme des Grubenwassers (fast 30 °C) energetisch zu nutzen, das heißt geothermische Energie zu gewinnen. Im Nachbergbau sollen derartige Möglichkeiten verstärkt genutzt werden. Trotz dieser vielfältigen Umweltchancen und aller schon getroffenen und geplanten Sicherheitsvorkehrungen hat es bezüglich dieser auf die Zeit nach 2018 angelegten neuen Wasserhaltungskonzepte der RAG in Teilen der Öffentlichkeit Beunruhigungen über mutmaßliche Umweltrisiken gegeben. Besondere Aufmerksamkeit haben dabei einige vor langer Zeit – damals mit behördlicher Genehmigung und politischer Unterstützung – untertägig verbrachte und dort eingedämmte Reststoffe erregt.

Ähnliches gilt für die begrenzten, seinerzeit nicht entsorgbaren Restvorkommen an PCB enthaltendem Hydrauliköl, dessen Einsatz in Bergbaumaschinen bis zu seinem Nutzungsausschluss in den 1980er Jahren aus Gründen der Brandsicherheit behördlich sogar verlangt worden war. Nicht nur zum PCB werden seit langem und weiterhin regelmäßig bergbaueigene und unabhängige Messungen angestellt. Bisher gibt es keine fachlich belastbaren Anhaltspunkte, dass hier infolge der praktizierten oder geplanten Grubenwasserhaltung eine Gefährdung für das Trinkwasser oder das Oberflächenwasser besteht. Weitere Untersuchungen zu diesem Fragenkreis folgen jedoch noch. Ebenso wird durch regelmäßige Beprobung Vorsorge getroffen, eventuelle Risiken zu erkennen und die Einschätzung zu überprüfen. Weder die Bergbehörden noch der deutsche Steinkohlenbergbau sehen diesbezüglich Anlass zur Sorge.

Mit Blick auf die Beschäftigten hat die RAG entsprechend ihren Zusagen, unter anderem im Unterausschuss Bergbausicherheit im Landtag NRW, im April 2015 einen Arbeitskreis eingerichtet, in dem unter Beiziehung externer wissenschaftlicher Expertise ein Studienkonzept zur Belastung der Beschäftigten mit PCB entwickelt und geprüft werden soll. Hier soll aus der heutigen Erkenntnislage heraus und unter Einbeziehung aller Stakeholder beantwortet werden, ob die PCB-Exposition von Bergleuten und die daraus resultierende potentielle Gesundheitsgefährdung aus den 1980er Jahren wissenschaftlich seriös zu ermitteln ist und wie gegebenenfalls ein entsprechendes nachsorgendes Untersuchungsprogramm gestaltet werden kann. So stellt sich die RAG ihrer Verantwortung für die damals Beschäftigten, lange Zeit nach dem – legalen – Einsatz der betreffenden Hydraulikflüssigkeiten. Angesichts der Erkenntnisse zur potentiellen Gesundheitsgefährdung, die seinerzeit zur Beendigung des Einsatzes dieser Stoffe geführt haben, wird die Prüfung in großer Ernsthaftigkeit umgesetzt, obwohl bisher nur verschwindend geringe Zahlen an Verdachtsanzeigen zu einer PCB-induzierten Berufskrankheit bei der Berufsgenossenschaft zu verzeichnen sind. Auch nach der öffentlichen Diskussion Anfang des Jahres kam es nicht zu weiteren Verdachtsanzeigen. Gleichwohl soll, soweit möglich, hier die maximale Gewissheit zu der Belastung und einer möglichen Gesundheitsgefährdung der Bergleute erlangt werden.