Innovationen treiben die Technologieentwicklung voran

Produktivitätssteigerungen und Prozessinnovationen sind heutzutage mitentscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg von Bergbauunternehmen. Weltweit geht der Trend zu immer leistungsfähigeren Tiefbaubetrieben: Zum einen, weil die im Tagebau gewinnbaren Vorräte langsam aber sicher zur Neige gehen; zum anderen, weil auch andernorts die Anforderungen an einen umweltschonenderen Umgang mit der Landschaft über Tage steigen. Dort, wo ohnehin bereits Steinkohle unter Tage gewonnen wird, dringt man inzwischen ebenfalls in immer größere Teufen vor und lernt zunehmend die damit verbundenen Anforderungen hinsichtlich steigender Gebirgsdrücke, höherer wetter- und klimatechnischer Anforderungen und ähnlichem kennen.

Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz besitzen im deutschen Steinkohlenbergbau seit jeher einen hohen Stellenwert. Sie zählen zu den wichtigen Grundsätzen innerhalb der Unternehmensstrategie und zu den Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Produktion. Die Arbeit in Steinkohlenbergwerken ist durch die natürlichen Gegebenheiten für die Bergleute in besonderer Weise nicht ohne Gefahren. Dennoch konnten die Unfallzahlen im deutschen Steinkohlenbergbau seit Anfang der 1990er Jahre um fast 90% gesenkt werden. Sie erreichten zuletzt einen historischen Tiefstwert. Im internationalen Vergleich wie auch im Vergleich zu anderen Branchen in Deutschland nimmt damit der heimische Steinkohlenbergbau einen Spitzenplatz bei der Arbeitssicherheit ein.

Zum Selbstverständnis des deutschen Steinkohlenbergbaus zählt auch der verantwortungsvolle Umgang mit der Umwelt. Dies zeigt sich insbesondere bei den im Vorfeld aller Abbauvorhaben durchgeführten Umweltverträglichkeitsprüfungen. Diese setzen sich mit den erwarteten Umweltauswirkungen auseinander und legen die erforderlichen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen sowie deren kontinuierliche Überwachung fest.

Ausschlaggebend für weitere Produktivitätssteigerungen sind Innovationen in den Bereichen Automatisierung, Kommunikation und Infrastruktur. Diese umfassen Verbesserungen in der Antriebsund Gewinnungstechnik, Logistik, Instandhaltung, Planung und Organisation. Um dabei weitere Fortschritte zu erzielen, arbeitet die deutsche Steinkohle eng mit Einrichtungen aus Wissenschaft und Forschung zusammen.

Änderungen im Berufsfeld Bergbautechnologe

Zum 1. August 2009 startete in der Nachfolge des Bergmechanikers der neue Ausbildungsberuf des „Bergbautechnologen”. Mit diesem Berufsfeld trägt die Ausbildungspolitik den veränderten Rahmenbedingungen für den Steinkohlenbergbau sowie dem Strukturwandel der bergbaulichen und bergbaunahen Berufstätigkeiten in Deutschland Rechnung.

Berufsanfänger können sich zwischen den Spezialisierungen Tiefbohrtechnik und Tiefbautechnik entscheiden. Die Tiefbohrtechnik setzt Schwerpunkte in den Bereichen Geologie sowie der Bohrlochkonstruktion und -kontrolle. Die Tiefbautechnik besitzt ihre Einsatzfelder neben dem Steinkohlenbergbau hierzulande im Kali-, Deponie-, Sanierungs- und neuerdings auch wieder im Erzbergbau. Ausbildungsschwerpunkte liegen dabei auf Fragen des Grubengebäudes, sowie der Wetter- und Klimatechnik, die für die Tiefbohrtechnik nicht relevant sind.

Künftig können auch Frauen in diesem Beruf ausgebildet werden: Der Deutsche Bundestag hat das Beschäftigungsverbot für Frauen unter Tage am 20. Januar 2009 aufgehoben. Zuvor hatte der Europäische Gerichtshof die EU-Länder verpflichtet, ein Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation aus dem Jahr 1935 zu kündigen, das jegliche Untertagearbeiten von Frauen verbot, da es gegen eine europäische Richtlinie verstoße.

Zur Förderung der innerbetrieblichen Anstrengungen zugunsten stetiger Innovationen vergibt die RAG Aktiengesellschaft einen Forschungspreis.

Eine zentrale Rolle bei der Vergabe des Forschungspreises spielen die Anstrengungen zur Automatisierung der Arbeitsprozesse. Dazu zählt die Entwicklung einer neuen Hobeltechnik: Sie führte in den Betrieben der RAG zu einer deutlichen Steigerung der Tagesförderung bei halbiertem Aufwand für Wartung und Instandhaltung sowie längerer Lebensdauer der Anlagen. Ferner geht es um ein neues Antriebssystem für Kohleförderer: Es ermöglichte eine deutliche Produktivitätssteigerung und damit verbundene Kostensenkungen. Zum dritten wurde ein vollautomatisiertes Transportsystem entwickelt.

Für die Chancen auf dem Weltmarkt ist neben der Weiterentwicklung dieser Techniken auch das Know-how über das Verhalten des Gebirges und den Umgang mit ihm von unschätzbarem Wert. Für dieses Wissen wurde unter Einsatz modernster IT-Systeme und -Strukturen bei der RAG ein geotechnisches Bewertungssystem entwickelt. Es liefert Planern ein transparenteres Bild über die Gesteinsschichten. Zur besseren Gebirgsbeherrschung in Flözstrecken wurde eine selbstlernende Datenbank aufgebaut. Sie spiegelt die Erfahrungen aus über hundert Jahren Steinkohlenbergbau in Deutschland wider. Diese Datenbank liefert erstmalig ein umfangreiches, vernetztes Zahlen- und Formelwerk, das für die Planung und Auffahrung neuer Strecken genutzt wird. Insbesondere das Wissen und die Erfahrungen der letzten 25 Jahre sind dabei weltweit einzigartig. Eine ähnliche Datenbank wurde auch für das Grubenrettungswesen entwickelt. Sie hilft nicht nur, die Sicherheit in deutschen Bergwerken zu erhöhen und Know-how zu sichern: Deutsche Standards werden damit weltweit bekannt gemacht und weitere Impulse gesetzt.

Daneben wurden auch Arbeiten mit dem RAG-Forschungspreis ausgezeichnet, die nicht direkt mit den Vorgängen unter Tage in Verbindung gebracht werden. In einem Fall wurde ein Planungs- und Steuerungssystem für eine umfassende und effiziente Abwicklung des Flächenrecyclings und vergleichbarer Großprojekte entwickelt. Bei einem weiteren Projekt („MINEO”) handelt es sich um ein Forschungsvorhaben zur Umweltüberwachung in Bergbaugebieten mit neuen Fernerkundungsmethoden.

Den Forschungspreis 2008 verlieh die RAG für ein System, das die computergestützte Übermittlung von Sprache, Bildern und Daten möglich macht. Der Elektriker unter Tage repariert eine hochkomplizierte Anlage. Visuell und akustisch zugeschaltet wird ein Experte der Herstellerfirma. Ohne Zeitverlust durch Anreise, ohne stundenlange Stillstände im Betrieb, ist der Schaden schnell behoben. In der Komplexität der Untertage-Welt waren viele Voraussetzungen zu schaffen, um diese Technologie zu realisieren. Das Projekt wurde von der Europäischen Kommission gefördert.

Der Konzentrationsprozess im deutschen Steinkohlenbergbau hat zu einem großen Angebot an gebrauchter, erprobter Bergbautechnik geführt. Was unter den hiesigen schwierigen Bedingungen unter Tage funktioniert, kann oft auch anderswo genutzt werden. Um diesen Markt in Zukunft zu bedienen, hat die RAG als weiteres Unternehmen unter ihrem Konzerndach in diesem Jahr die Tochtergesellschaft RAG Mining Solutions gegründet. So wurden bereits mit Bergbaugesellschaften in Polen, Tschechien und der Ukraine Kontakte und Geschäftsbeziehungen aufgebaut zur Vermarktung des hochmodernen Equipments – für das es zum Teil hierzulande keine Einsatzmöglichkeiten mehr gibt – sowie des vorhandenen Knowhows. Darüber hinaus gibt es zunehmend Anfragen aus China, der Türkei, Russland und Mexiko.

Die Beispiele zeigen, dass die Entwicklung der Bergbautechnik trotz des gesunkenen Fördervolumens in Deutschland Jahr für Jahr bis heute wesentliche Fortschritte gemacht hat und immer noch macht. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Förderung von Kohle aus einer der tiefsten Lagerstätten der Welt technische Höchstleistungen und umfangreiches Know-how erfordert. Messbarer Ausdruck der weltweiten Wertschätzung der Innovationsanstrengungen des deutschen Steinkohlenbergbaus ist das große Interesse, das die Präsentationen von Mitarbeitern der deutschen Steinkohle auf international besetzten Kolloquien und Tagungen finden.

Der Forschungspreis der RAG Aktiengesellschaft

Die RAG Aktiengesellschaft verleiht seit 2002 einmal jährlich einen Forschungspreis an Mitarbeiter für außerordentliche Leistungen aus dem Bereich Forschung und Entwicklung. Hierfür bewertet eine Jury unter Vorsitz des RAG-Vorstandsmitglieds Jürgen Eikhoff Ideen und Verbesserugnen, die dem Unternehmen neue Impulse geben und somit Innovationen vorantreiben. Die besonders anspruchsvolle Geologie der Lagerstätte sowie die weltweit führenden deutschen Standards bei Arbeitssicherheit und Umweltschutz erfordern eine ständige Weiterentwicklung der deutschen Bergbautechnologie, um eine immer höhere Effizienz zu erreichen. Hinzu kommen die Anstrengungen, trotz Personalabbau vorhandenes Know-how zu erhalten und weiterzuentwickeln.

An der Verleihung des Preises – einem stilisierten Schildausbau aus Kohle und Acrylglas – an die Preisträger nehmen Vertreter aus Politik, Wirtschaft und der Tagesund Fachpresse teil.

Die bisherigen Veranstaltungen stoßen auf positive Resonanz. So betonte im Jahre 2003 die damalige Ministerin für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, dass der Forschungspreis zum einen die strategische Bedeutung der Forschungs- und Entwicklungsarbeit für den deutschen Steinkohlenbergbau unterstreiche und zum anderen die Innovationskraft nordrhein-westfälischer Forscherinnen und Forscher verdeutliche. Zwei Jahre später unterstrich dies auch Dr. Michael Stückradt, Staatssekretär im NRW-Ministerium für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie. Die deutsche Bergbautechnologie ist weltweit führend. Stückradt : „Der Garant, dass diese stolze Bilanz auch in Zukunft erhalten bleibt, ist Exzellenz in Forschung und Entwicklung und deren Umsetzung.”

Auch die Berichterstattung der Medien fiel durchweg positiv aus. Hierbei ging neben der Innovationskraft der Mitarbeiter auch die des deutschen Steinkohlenbergbaus im internationalen Zusammenspiel hervor. Eine Par tnerschaf t, die bis in den Weltraum reicht, wie der Auftritt von Gastredner und Astronaut Dr. Ulf Merbold bei der Forschungspreisverleihung im Jahr 2004 zeigte.

Der Forschungspreis 2009

Nach 20 Jahren Entwicklungsarbeit ist es bei der RAG gelungen, den sogenannten Schrämwalzenlader – eine Abbaumaschine – zu automatisieren. Leistungsfähige Rechner und Kommunikationssysteme sowie modernste Sensorik wie Infrarotkameras, Radar und Schwingungsmesser machen das möglich. Die Maschine erkennt selbstständig Hindernisse und die Grenzen zwischen Kohle und Gestein. Ein effektiver und Material schonender Abbau von Steinkohle unter Tage ist das Ergebnis. Das Projekt wurde im Jahr 2009 mit dem Forschungspreis der RAG-Aktiengesellschaft ausgezeichnet.

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Unfallrückgang im Steinkohlenbergbau
Unfallrückgang im Steinkohlenbergbau
Prozessleitwarte der Zukunft
Prozessleitwarte der Zukunft
Der Forschungspreis der RAG Aktiengesellschaft
Der Forschungspreis der RAG Aktiengesellschaft
Der Forschungspreis 2009
Der Forschungspreis 2009