Unternehmensentwicklung

Der Rahmen der Unternehmensplanung der RAG Aktiengesellschaft ist das Steinkohlefinanzierungsgesetz von 2007 mit dem damit verknüpften Vertragswerk. Die RAG ist ausschließlicher Betreiber des verbliebenen deutschen Steinkohlenbergbaus. Sie hatte im Jahr 2008 ihre Bergbauplanung an die sich daraus ergebenden Erfordernisse angepasst. Die Planung sah unter anderem eine Reduzierung der Jahresförderung auf unter 12 Mio. t vor und einen Abbau des Personals auf unter 15 000 Mitarbeiter bis zum Jahr 2012. Mit Inkrafttreten der neuen EU-Beihilferegelung und der Änderung des Steinkohlefinanzierungsgesetzes im Jahr 2011 existiert nun ein rechtsverbindlicher Rahmen: Auf dessen Basis kann die deutsche Steinkohle ihre Strategie für die Beendigung des Bergbaus zum Ende des Jahres 2018 und zur Bewältigung der darauf folgenden Aufgaben der Alt- und Ewigkeitslasten konkretisieren. Sie tut dies unabhängig von den neuen Weichenstellungen in der deutschen Energiepolitik.

Die Steinkohlenförderung in Deutschland lag mit 12,9 Mio. t im Jahr 2010 um 0,9 Mio. t unter der des Vorjahres. Die Zahl der Mitarbeiter sank auf 24 000. Ursache dafür war nicht zuletzt die Stilllegung des Bergwerks Ost in Hamm am 30. September 2010. Der Anpassungsprozess im Bergbaubereich setzte sich auch in diesem Jahr fort: Zum 1. Juni 2011 wurde die letzte in Bergbaubesitz befindliche Zechenkokerei - Kokerei Prosper in Bottrop - an den Stahlproduzenten ArcelorMittal Bremen GmbH verkauft. Gleichzeitig sichert dieser Verkauf den Fortbestand der Kokerei Prosper mit ihren Arbeitsplätzen am Standort Bottrop über das Jahr 2018 hinaus - und damit über das Ende des subventionierten Steinkohlenbergbaus.

Zum Erreichen der in der bisherigen Bergbauplanung festgelegten Ziele sind bereits 2008 konkrete Maßnahmen vereinbart worden. Schon damals beschlossen wurde die endgültige Beendigung des Steinkohlenbergbaus im Saarrevier mit dem Förderende des Bergwerks Saar zum 30. Juni 2012. Darüber hinaus sieht die Bergbauplanung die Stilllegung des Bergwerks West in Kamp-Lintfort zum Jahreswechsel 2012/2013 vor, auch wenn es dazu noch keinen Gremienbeschluss gibt. So wird sich die heimische Steinkohlenförderung ab 2013 auf nur noch drei Bergwerke in NRW konzentrieren: Prosper-Haniel in Bottrop, Auguste Victoria in Marl und Ibbenbüren an der Grenze zu Niedersachsen.

Die Rückführung des Steinkohlenbereichs macht bei der RAG Aktiengesellschaft einen verantwortungsvollen Umgang mit der vorhandenen Bergbau-Infrastruktur notwendig. So arbeitet auch die RAG inzwischen auf der Basis der vorhandenen Kompetenzen an neuen, "grünen" Konzepten als Beitrag zu einer innovativen, umweltfreundlichen Energieversorgung.

Aktuell entwickelt sich bei der RAG mit den erneuerbaren Energien ein weiteres Geschäftsfeld neben den vielen, seit über 30 Jahren betriebenen Aktivitäten rund um Immobilien und Flächen. Halden, Schächte, Grubenwasser, Gebäude, Grundstücke und das Know-how im Unternehmen können für Projekte in den Bereichen Windkraft, Photovoltaik, Pumpspeicherkraftwerke, Geothermie und Grubenwasserwärme genutzt werden (siehe auch Gastbeitrag unter "Steinkohle und Umwelt").

Bergbautechnik praxisnah

Deutsches Ingenieurwesen in der Bergbautechnik wird weltweit geschätzt. Das beweisen nicht zuletzt die seit Jahren steigenden Exportumsätze der heimischen Bergbaumaschinenhersteller. Um ihren Vorsprung zu sichern, ist es jedoch nötig, die vorhandene Technik stetig weiter zu entwickeln und neue Technologien in der Praxis zu erproben. Ideale Voraussetzungen dazu bieten die verbliebenen deutschen Steinkohlenbergwerke auf Grund ihrer anspruchsvollen geologischen und klimatischen Rahmenbedingungen sowie der hierzulande herrschenden hohen Standards im Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz. So befindet sich zur Verbesserung der Transportlogistik aktuell ein bei der RAG entwickeltes, integriertes Leit-, Steuer- und Kommunikationszentrum im Probebetrieb auf dem Bergwerk Auguste Victoria in Marl. Es soll im Regelbetrieb anschließend auf dem Bergwerk Prosper-Haniel in Bottrop zum Einsatz kommen und kann mit seiner zukunftsweisenden Prozesstechnik auf diesem Wege den Kunden aus aller Welt präsentiert werden.

Forschungspreis 2011

Darüber hinaus verleiht die RAG Aktiengesellschaft auch 2011 wieder ihren Forschungspreis für außergewöhnliche Leistungen im Bereich Forschung und Entwicklung. In diesem Jahr wird der Preis vergeben für die im Rahmen des Forschungsprojektes "Geometrisches Monitoring der Tagesoberfläche für aktive Bergbaubereiche, Stillstands- und Altbergbaubereiche durch integrierte Nutzung von GIS und multisensoralen Erfassungsverfahren ,GeoMon'" erstellte Datenbank zur nachhaltigen und zukunftssicheren Verwaltung, Aufbereitung, Analyse und Bereitstellung aller bei RAG vorliegenden übertägigen Punkte, welche die Ergebnisse aus den Daten fernerkundlicher Radarsatelliten führen kann.

Mit der RAG Montan Immobilien nimmt die RAG ihre Verantwortung wahr, den Strukturwandel in den Bergbaurevieren zu unterstützen. Das Tochterunternehmen besetzt eine Vielzahl dieser Zukunftsthemen. Schwerpunkt ist hier die Nachnutzung frei werdender Bergbauflächen und -gebäude.

Ein anderes Beispiel für die unmittelbaren Auswirkungen des schrumpfenden Bergbaubereichs auf die Konzernstruktur ist auch die 2009 gegründete RAG Mining Solutions GmbH. Sie wächst als Consulting- und Dienstleistungsunternehmen kontinuierlich. Weltweit zunehmend stärker nachgefragt sind angesichts steigender Steinkohlenförderung gebrauchtes, aber modernes Bergbau-Equipment sowie Beratungsleistungen auf der Basis des seit Jahrzehnten angesammelten Bergbau-Know-hows.

Eine weitere Veränderung in der Konzernstruktur der RAG Aktien-gesellschaft ergab sich durch den Erwerb von 2% der von der Evonik Industries AG gehaltenen Geschäftsanteile an der RVG GmbH. Der RAG-Konzern hat damit seinen Anteil an dem Unternehmen auf insgesamt 51% erhöht. Gleichzeitig vereinbarte der RAG-Konzern die vollständige Übernahme der restlichen 49% der Geschäftsanteile von der Evonik Industries AG zum 1. Januar 2013. Hauptaufgabe der RVG GmbH, die nun wieder RAG Verkauf GmbH heißt, ist die Vermarktung deutscher Steinkohlenprodukte und die zuverlässige Versorgung ihrer Kunden. Neben der Vermarktung deutscher Kraftwerks- und Kokskohle beschafft die RAG Verkauf GmbH auch die notwendige Kokskohle für die Kokerei Prosper in Bottrop. Sie verkauft deren Produkt Koks ebenso wie die Kokerei-Nebenprodukte (unter anderem Gas, Teer). Die RAG Verkauf GmbH vermarktet darüber hinaus einen Teil des Bergemate-rials, das mit der Kohlenproduktion anfällt. Über Tochterunternehmen und Beteiligungen ist die RAG Verkauf auch in der Brennstoff- und Wertstoffaufbereitung tätig.

Die Evonik Industries AG selbst hatte sich auch vom Mehrheitsanteil an ihrer Kraftwerkstochter Evonik Steag GmbH getrennt - ein Mitgliedsunternehmen beim Gesamtverband Steinkohle e. V. Nach der Übernahme von 51% ihrer Anteile durch das Stadtwerke-Konsortium Rhein-Ruhr firmiert der Essener Energieerzeuger seit dem 8. Juni 2011 unter dem Namen STEAG GmbH.

Anpassung im deutschen Steinkohlenbergbau
Anpassung im deutschen Steinkohlenbergbau
Steinkohlenbergwerke in Deutschland in 2011
Steinkohlenbergwerke in Deutschland in 2011